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Hyunah Yu (als Zaide), Norman Shankle (als Gomatz) und Russel Thomas (als Soliman).

Foto: APA /Schneider
Wien - Verschiedene verschlungene Wege gibt es, ein historisches Werk in die Gegenwart zu holen, und Regisseur Peter Sellars hat bei Mozarts Zaide im Jugendstiltheater für die Festwochen gleich zwei beschritten. Zum einen verlegt er die Geschichte in eine Fabrik, in der sklavereiartige Arbeitsverhältnisse herrschen.

Zum anderen erzählt - die Musik hat noch nicht begonnen - unter anderem eine Asylwerberin und Bewohnerin des Integrationshauses, wie sie, eine Elektroingenieurin, einer speziellen "Arbeit" nachgeht - seit drei Jahren öffnet sie täglich ihren Briefkasten in der Hoffnung, endlich einen Bescheid bezüglich ihres Asylantrags vorzufinden. Zweifellos ein lobenswerter Hinweis auf die unschöne Realität in diesem Land. Er wird vor jeder Vorstellung wiederholt, mit anderen Teilnehmern.

Aller Enthusiasmus für das Gute und Wahre entbindet allerdings nicht von der Verpflichtung, auch für das angesagte Werk szenische Lösungen zu finden, die dem Werk und womöglich auch den im Mozarjahr (wegen der Fülle an Opernversuchen) gestiegenen Anforderungen an die mit Amadeus-Deutungen Befassten gerecht zu werden. Da ist zumindest der Camerata Salzburg zu danken. Zusammen mit Dirigent Louis Langrée rettet sie den Abend mit einer emphatischen Musizierhaltung, die sich als Intensität in jeder richtigen und auch jeder missglückten Note vermittelt. Auch Zusatzmöglichkeiten boten sich: Schließlich wurde Musik aus Thamos. König von Ägypten hineinmontiert; und da Sellars den Monolog von Gomatz strich, blieb hier nur die Orchesterbegleitung hörbar.

In dem käfigartigen vierstöckigen Gebilde (George Tsypin) spielt sich jedoch eine Sklavenliebesgeschichte auf dem Niveau einer Schülertheateraufführung ab. Als wäre Sellars nicht anwesend gewesen, pendeln die Protagonisten gestisch hilflos zwischen Entsetzen, Hoffnung und Wut.

Man kann nur hoffen, dass er all das Mäßige seiner Ideen hier hineinverpackt hat und er sich das Gute für sein Mozart-Festival New Crowned Hope aufgehoben hat. Für Sultan Soliman (Russell Thomas), Gomatz (Norman Shankle), Allazim (Alfred Walker) und Zaide (Hyunah Yu) war es denn auch nicht schwer, mit der vokalen Arbeit das szenische Niveau zu übertrumpfen, auch wenn höchstens solide gesungen wurde. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.5.2006)