Nicht alles, was rund ist, ist in diesen Zeiten ein Ball: Egon Theiner hat, quasi als Coach, ein elfköpfiges Autorenteam auf das Spielfeld der Sportliteratur geschickt, um die besten Spiele aller Zeiten ein für alle Mal in Wort und Bild festzuhalten.

Herausgekommen ist ein in jeder Hinsicht runder Band, der vom ersten offiziellen Länderspiel überhaupt (Schottland – England, 1872, 0:0) bis zum griechischen Betriebsunfall bei der letzten EM 22 herausragende Höhepunkte des Spiels gesammelt hat. Klar ist die Auswahl subjektiv, und das ist gut so: Denn dadurch können sich der sachkundige Leser und die euphorisierte Leserin kreativ darüber ärgern, dass gerade ihr Lieblingsspiel nicht vertreten ist, und tun, was acht Millionen potenzielle Teamtrainer dieses Landes am liebsten tun: eine Mannschaft ihrer Wahl und Erinnerung aufstellen und nochmals gewinnen oder verlieren lassen.

Theiners Elf repräsentiert die Creme des heimischen Journalismus und schreibt im notwendigen Gleichschritt von Liebe und Sachverstand: Hannes Krawagna (Krone) etwa über das legendäre Match England – Deutschland 1966, das mit dem bis heute umstrittenen "Wembley-Tor" geradezu symptomatisch auf das dramatische Potenzial des Fußballs verweist.

Sein Kollege Peter Linden (Krone) widmet sich unter anderem dem Triumph des deutschen Pragmatismus über die niederländische Kunst bei der WM 1974, und Wolfgang Winheim (Kurier) poliert eine der wenigen österreichischen Sternstunden des modernen Fußballs wieder auf: Córdoba 1978! Hubert Winklbauer (Tiroler Tageszeitung) setzt der unvergessenen Hand Gottes ein Denkmal, die 1986 den Stolz Albions homerischem Gelächter preisgab, Wolfgang Wiederstein (Die Presse) hält das Echo einer Lache fest, die viele lieber nie gehört hätten: Österreich gegen Faröer und die Zipfelmütze, Datum und Ergebnis des Spieles mögen Masochisten nachschlagen.

Im Mittelfeld werken – etwas verspielt wie immer – die Standard-Autoren Fritz Neumann, Johann Skocek und Wolfgang Weisgram, flankiert vom unermüdlichen Rackerer Stefan Grüneis (APA). Was sie über die Erfindung des Spiels, über Protagonisten wie Pelé oder epochenbestimmende Teams wie Ungarn, über politische Implikationen wie den Fußballkrieg zwischen Honduras und El Salvador zu sagen haben, unterhält auf höchstem Niveau. Den Sturm bilden Josef Galley (News) und Lukas Wieselberg (ORF), zwei geborene Goalgetter, die das französische Drama um Michel Platini bei der WM 1982 und das, höflich gesprochen, griechische Euro-Wunder aufleben lassen. Dem heimischen Fußball wünscht man nach Lektüre des Buches aus ehrlicher Überzeugung, er hätte in den Beinen, was die Autoren dieses Buches im Kopf, im Herz und im Schreibgriffel haben. (DER STANDARD, Printausgabe, Samstag, Sonntag, 27., 28. Mai 2006, Album)

Egon Theiner (Hrsg.): "Spiele, die Geschichte schrieben". € 29,90/233 Seiten. Egon Theiner Verlag, Wien 2006.