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Trotz des Lobs von Gehrer: Wolner nennt eine ganze Liste von Problemen der Med-Uni.

Foto: apa/Gindl
Wien - Ein neues Medizin-Studium, die Neugründung der Medizin-Universitäten, das Ringen um eine gemeinsame Betriebsführungsgesellschaft von Bund und Gemeinde für das AKH, Ärzte-Arbeitszeitgesetz etc. - die Medizinische Universität Wien (MUW) und die Spitzenklinik Österreichs hatten bzw. haben enorme Veränderungen zu "verdauen". Lob gab es dafür am Mittwoch anlässlich der diesjährigen Universitätsvorlesung von Wissenschaftsministerin Elisabeth Gehrer (V) bei einer Pressekonferenz. Gleichzeitig gibt es offenbar anhaltenden Reformbedarf.

Mehr Absolventen

"Die Selbstständigkeit der Medizinischen Universitäten war der richtige Weg. Wir haben jetzt mehr Absolventen. Wir haben auch große Herausforderungen in der Zukunft. Der Rechnungshof hat die Medizin-Universität Graz geprüft und festgestellt, dass das (die Neugründungen, Anm.) der richtige Weg war", sagte Gehrer. Mit der finanziellen Vereinbarung zwischen Bund und Gemeinde Wien über die Finanzierung des AKH (klinischen Mehraufwandes bzw. von Investitionen) mit 825 Mio. Euro durch den Bund bis zum Jahr 2015 sei eine wichtige Voraussetzung für die Zukunft geschaffen worden. Jetzt gehe es darum, eine gemeinsame Betriebsführungsgesellschaft zu installieren.

Drop-Out-Rate reduzieren

Rektor Wolfgang Schütz sieht die Neuregelungen des Medizinstudiums samt einem ab kommendem Herbst aus der Schweiz übernommenen Zulassungstest positiv: "Wir wollen die Drop-out-Rate von mehr als 50 auf zehn bis 15 Prozent reduzieren." Insgesamt sei es gerade in den vergangenen Jahren an der MUW auch zu einem Leistungsschub in der Forschung gekommen.

Neuer Standort

Ein neues und womöglich zukunftsweisendes Projekt: So irgendwie möglich, sollten die theoretischen Institute der MUW in einem neuen Gebäude in unmittelbarer Nähe des AKH untergebracht werden. Schütz: "Sie sind derzeit auf Standorte in Wien-Alsergrund verteilt. Es wäre eine ideale Lösung, die klinische Forschung mit der theoretischen Forschung in einem möglichst engen räumlichen Konnex zu bekommen." Zur Finanzierung könnte die MUW ihre Gebäude in Wien-Alsergrund aufgeben.

Spitzenposition

AKH-Chef Reinhard Krepler betonte die Spitzenposition seines Spitals in der Patientenversorgung: "Sehr offensichtlich war das Projekt der gemeinsamen Errichtung des AKH sehr erfolgreich. Die Patienten ziehen einen enormen Nutzen daraus. Sie bekommen Zugang zu den modernsten Diagnose- und Therapieverfahren der Welt. Wir haben Patienten aus ganz Österreich zu versorgen - und tun das gern. Wien fördert sehr den Forschungs- und Universitätsstandort Wien."

Konkurrenz wird härter

Doch es gibt auch weiterhin großen Sanierungsbedarf, wenn es um die Zukunft der Medizinischen Universität Wien bzw. ihrer Schwesterorganisationen geht. Der Leiter der Abteilung für Herz- und Thoraxchirurgie, Ernst Wolner, listete in einem Impulsreferat bei der Universitätsvorlesung gleich mehrere Problempunkte auf:

  • Rigide Finanzierungsvorschriften behindern Spitzenforschung, während im Ausland exzellente Forschungszentren diese Beschränkungen bereits hinter sich gelassen hätten.

  • Wie werden sich die Medizin-Universitäten im Konkurrenzkampf mit immer mehr Privatuniversitäten auf diesem Gebiet (Salzburg, Hall, in Zukunft ev. auch Krems und Linz) behaupten?

  • Schlechte Konditionen für junge Medizinabsolventen, die in die Forschungslaufbahn einsteigen wollen.

  • Benachteilung von Frauen in der Universitäts-Karriere.

  • Mangelnde Möglichkeiten zur Karriereplanung.

  • Benachteiligung von Ärzten, die sich vor allem in der Patientenversorgung engagieren.

  • Notwendigkeit der Verbreiterung der Honorareinnahmen der Universitätskliniken am AKH für seine besonderen Leistungen in der Patientenversorgung. (APA)