AlmART lädt ein, sich von der Natur des Tennengaus inspirieren zu lassen und durch die Kunst den Blick für Natur und Naturgewalten zu schärfen

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"Art" scheint im Salzburger Lammertal zunächst einmal nicht von artifiziell zu kommen. Was der 25. Juni unter dem Titel "AlmArt" in Annaberg-Lungötz verspricht, ist vielmehr eine Gratwanderung zwischen künstlerischer Landschaftspflege und der Horizonterweiterung regionaler Traditionen. Die Annaberger wollen sich die Frage stellen, wie die Berge und Almen des Tennengaus internationale Künstler bei ihrer Arbeit inspiriert haben. Dabei werden sie wohl auch an den bekanntesten Sohn der Gemeinde gedacht haben, an den Maler Gottfried Kumpf.

"AlmArt" am Fuße der Bischofsmütze versteht sich nicht als fremdelndes Event, das man zum Saisonbeginn auf die Alm treibt, sondern als künstlerischer Beitrag, der sich dem Jahreszyklus einer Almenwelt unterwirft. Das trifft insbesondere auf die Skulpturen und Installationen meist regionaler Künstler zu, die dort oben nicht nur der strengen Kritik der Sennerinnen, sondern vor allem Wind und Wetter und somit der permanenten Veränderung ausgesetzt werden. Die Vernissage gleicht vielmehr einer gemütlichen, eineinhalbstündigen Begehung auf dem Almboden, bei der man sich bei einem Butterbrot mit den Künstlern austauschen kann. Musikalisch führt die Wanderung durchaus auch weg vom Almbodenständigen, wenn Jazzmusiker und Performance-Künstler die Landschaft zwischen Stuhlalm und Theodor-Körner-Hütte interpretieren.

Almen als Raststätte

Zurück zum Thema Gratwanderung - die kleinen Initiativen, die im Rahmen des Salzburger Almsommers ins Leben gerufen wurden, wollen das alpine Terrain nicht nur den Wanderern überlassen, wenngleich die Zahl der Angebote für die Almbesucher auch in diesem Segment von Jahr zu Jahr wächst. Der Salzburger Almenweg, der am 18. Juni in Mühlbach am Hochkönig eingeweiht wird, verbindet dann einen Großteil der 550 bewirtschafteten Hütten, die entlang der 350 Kilometer langen Strecke liegen. Noch praktischer ist die viertägige Almentour, die vornehmlich mit dem Mountainbike absolviert wird und vom Lammertal entlang mehrerer Seen ins Salzkammergut führt. Die alpine Variante eines "All-inclusive"-Angebots, denn um 149 € sind drei Übernachtungen mit Frühstück, eine Tourenkarte und der Gepäcktransport bereits inklusive - das Ganze gibt es natürlich auch mit Halbpension.

Für jene, die sich ein Maximum an Genuss und ein Minimum an Bewegung (20 Minuten Gehzeit) von einem Alm-ausflug erwarten, wird im Lammertal das Almfrühstück inszeniert. Damit der Almboden auch dem skeptischsten Städter als Kaffeehaus-Ersatz gereichen mag, ist der Frühstückskorb nicht nur mit selbst gemachtem Brot und Speck gefüllt, sondern auch mit der aktuellen Tageszeitung und Prosecco.

Die besondere Weise, in der die Lammertaler über das Thema Wandern hinausgehen, setzt sich auch im August fort: Mit dem "HeuArt"-Fest im Bauernherbst. Nachdem die Annaberger 2005 so ziemlich alles aus Heu nachgebaut hatten, was den Lammertalern heilig ist - vom Traktor bis zur Lederhose - wird der mittlerweile gut besuchte Heufiguren-Umzug von 24. bis 27. August in Abtenau stattfinden - eine zugegebenermaßen originelle Art, seit 2001 unter Beweis zu stellen, welch fantasievolle Figuren herauskommen, wenn man schon Monate im Voraus nur Stroh im Kopf hat.

Rauf auf die Alm!

Nur für ein ganz besonderes Vergnügen muss man sich wieder aus dem Lammertal hinaus in Richtung Hochkönig bewegen - wenn man den Raufbrüdern auf dem Hund-stein beim "Ranggeln" zusehen will. Das Jakobi-Ranggeln bei Maria Alm (heuer am 30. Juli) geht auf eine 500 Jahre alte Hackordnung zurück, bei welcher der kräftigste Hirte auf der Alm ermittelt wird. Gerauft wird da oben schon im zarten Alter von sechs Jahren, allerdings nicht mehr um die neuen Weidegrenzen festzusetzen, sondern schlicht und einfach um den begehrten Titel des "Hoagmoar".

Um einen Schlafplatz auf Salzburgs Almen braucht man sich heute nicht mehr zu raufen, ja vielfach muss man nicht einmal die müden Beine bemühen, denn sechzig Seilbahnen und Sessellifte führen mittlerweile direkt zu Enzianschnaps und Prosecco. Denkbare Varianten für einen Alm-urlaub - vom Brotbacken bis zur Flitterwochensuite - findet man in der Broschüre "Salzburger Almsommer". (Der Standard, Printausgabe 3./4./5.6.2006)