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Für die Anhänger der Wiedervereinigung unter den türkischen Zyprioten war und ist Präsident Mehmet Ali Talat ein großer Hoffnungsträger.

Talat als Premier bei einer Kundgebung im April 2002, wo er für die Zustimmung zu dem von der UNO vorgelegten Friedensplan warb. Am 24. April fand ein Referendum statt, bei dem die türkischen Zyprioten mit Ja, die griechischen Zyprioten hingegen mit Nein stimmten.

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Denn über viele Jahre hinweg hatte der Hardliner Rauf Denktaş als "Präsident" - international als "Volksgruppenführer" bezeichnet - die Politik im Norden dominiert.

Der österreichische Politiker Kurt Waldheim hatte sich während seiner Zeit als UNO-Generalsekretär wiederholt für eine Lösung des Konflikts eingesetzt, jedoch ohne Erfolg.

APA-Photo: Hans Techt

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Im Jahr 1983 hatte Denktaş den Separatstaat "Türkische Republik Nordzypern" ("Kuzey Kibris Türk Cumhuriyeti", KKTC) ausgerufen und mit dem Slogan "Keine Lösung ist die Lösung" jegliche Friedensbemühungen auf der Insel torpediert.

Grenzübergang in der Hauptstadt Nikosia.

REUTERS/John Kolesidis

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Doch der Druck der Bevölkerung auf den Hardliner stieg und die türkischen Zyprioten verliehen ihrem Wunsch nach einem Politikwechsel zunächst in Demonstrationen und schließlich auch in Wahlen Ausdruck.

Im Dezember 2002 protestierten 30.000 Menschen im türkischen Teil der Hauptstadt Nikosia für die Wiedervereinigung und forderten den Rücktritt von Denktaş.

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Symbolfigur der Wiedervereinigungs-Befürworter wurde Talat, im Jahr 2003 wurde die "Türkisch Republikanische Partei" ("Cumhuriyetçi Türk Partisi", CTP) unter seiner Führung zum ersten Mal die stärkste Kraft im Parlament.

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Während der Verhandlungen über den Annan-Friedensplan im schweizerischen Bürgenstock vertrat Talat dann bereits die türkischen Zyprioten, nachdem Denktaş die Teilnahme verweigert hatte.

Talat im Gespräch mit UNO-Generalsekretär Kofi Annan sowie dem UNO-Sondergesandten für Zypern, Alvaro de Soto, am Rande der Verhandlungen in Bürgenstock im März 2004.

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Bei den vorgezogenen Wahlen im Februar 2005 konnte die CTP ihre Position erneut ausbauen und nur zwei Monate später wurde Talat zum Präsidenten gewählt.

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Der sozialistische Politiker wurde im Jahr 1952 in der Stadt Girne, griechisch Kerinia, an der Nordküste Zyperns geboren und hat in Ankara Elektroingenieurwesen studiert. Seine politische Karriere begann er schon in der Jugendorganisation der CTP und hatte später diverse Mandate auf lokaler und regionaler Ebene inne.

Talat bei einer Wahlveranstaltung für die Präsidentenwahlen in seiner Heimatstadt Girne im April 2005.

(AP Photo/Petros Giannakouris)

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Noch während der Präsidentschaft von Denktaş gehörte er der Regierung an, bevor er den offenen Bruch mit dem Hardliner vollzog. Im Jahr 1993 wurde er zunächst Bildungs- und Kulturminister und später Vize-Premier. Im Jahr 1996 wurde er Parteivorsitzender der CTP, nach den Parlamentswahlen im Jahr 2003 wurde er Premier.

Denktaş akzeptiert die Regierung unter Premier Talat (Januar 2004).

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Nach wie vor aber ist Talat auf die Zusammenarbeit mit der Partei von Denktaş angewiesen, die inzwischen von dessen Sohn Serdar Denktaş geführt wird, derzeit Außenminister der KKTC.

Serdar Denktaş (links) und Mehmet Ali Talat bei einer Pressekonferenz im Januar 2004, bei der sie die Bildung einer Koalitionsregierung verkündeten.

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Denn während Talat nach wie vor energisch für die Wiedervereinigung eintritt und von einer Teilung der Insel nichts wissen will, spekuliert Außenminister Denktaş öffentlich über eine Teilung der Insel nach dem Vorbild der Tschechoslowakei.

Grenzübergang in der Hauptstadt Nikosia.

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Die größte Herausforderung aber wartet noch auf Talat, nämlich die Wiederaufnahme von Verhandlungen mit den griechischen Zyprioten. Hier allerdings herrscht derzeit Stillstand.

Bislang konnte noch keine Einigung über ein Treffen zwischen Talat und dem griechisch-zypriotischen Präsidenten Tassos Papadopoulos erzielt werden. Ende Mai stattete der ehemalige griechisch-zypriotsiche Präsident Glafkos Clerides (Bild), der für den Annan-Plan geworben hatte, Talat einen Besuch ab.

Foto: EPA

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Deshalb widmet sich der Präsident derzeit intensiv einem anderen Vorhaben, nämlich der Aufhebung der Isolation der türkischen Zyprioten, die gleich nach dem Ja des Nordens zum Annan-Friedensplan von der EU versprochen wurde, bislang aber noch weiter besteht. (sof)

Jubel im Norden Zyperns nach Verkündung des Ergebnisses des Referendums am Abend des 24. April 2004.

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