Wien/Los Angeles/New York - Der Wert der fünf aus der Österreichischen Galerie Belvedere an die Erben nach Bloch-Bauer restituierten Klimt-Gemälde hatte bei der Frage nach einem möglichen Rückkauf der Bilder für heiße Diskussionen gesorgt. Auf rund 300 Millionen Dollar (248 Mio. Euro) hatten Experten die Bilder geschätzt, eine Summe die von der Republik Österreich nicht aufgebracht werden wollte. Nun weiß man, dass die Schätzung realistisch waren: Mit vermutlich 135 Mio. Dollar (106,7 Mio. Euro) wurde für das Gemälde "Adele Bloch-Bauer I" mehr gezahlt als je zuvor für ein Bild. Dem Rekordpreis waren lange Verhandlungen vorausgegangen - und vier weitere Bilder stehen noch zum Verkauf.

TEFAF-Messesprecherin Anfang 2006: "Ein Klimt mehr wert als ein Picasso?"

"Ein Klimt mehr wert als ein Picasso? Das kann ich mir nicht vorstellen", hatte eine Sprecherin der internationalen Kunstmesse TEFAF in Maastricht Anfang des Jahres, als die Preis-Diskussionen ihren Höhepunkt erreichten, gemeint. Damals waren für die "Goldene Adele" Experten-Schätzungen zwischen 70 und 144 Millionen Dollar im Umlauf. Während Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) von einem "Museumswert" des Bildes in der Höhe von 30 bis 40 Mio. Euro gesprochen hatte, nannte Altmann-Anwalt Schoenberg damals in "News" 105 Millionen Dollar (85,6 Mio. Euro) als realistischen Preis für "Adele Bloch-Bauer I", bis zu 60 Millionen (48,9 Mio. Euro) für "Adele Bloch-Bauer II" und je 35 Millionen Dollar (28,5 Mio. Euro) für die Landschaftsbilder - was sich insgesamt auf 270 Mio. Dollar (220 Mio. Euro) summiert hätte. KHM-Direktor Wilfried Seipel schätzte die "Goldene Adele" auf 100 Millionen oder mehr, Kunstsammler und Museumsdirektor Rudolf Leopold auf zwischen 43 und 51 Mio. Euro, "Adele Bloch-Bauer II" zwischen 21 und 29 Mio. Euro und die Landschaften zwischen 11 und 18 Mio. Euro.

Kunstsammler Lianig damals zu den Preisen: "Skurril bis zum Exzess" und "völlig sinnlos"

Die damals diskutierten Summen waren verschiedentlich auch auf heftige Kritik gestoßen. Als "skurril bis zum Exzess" und "völlig sinnlos" hatte der Industrielle und Kunstsammler Herbert Liaunig die damals kolportierten Preise in den "Salzburger Nachrichten" genannt, nach seiner Ansicht sei ein Klimt-Bild "auf dem internationalen Markt realistisch keine zehn Millionen Euro wert". Am 2. Februar schließlich beschloss der Ministerrat, dass die Republik kein weiteres Interesse an Verhandlungen über den Ankauf der Gemälde habe. Man sehe keine Möglichkeit, aus dem Budget 300 Millionen Dollar (248 Mio. Euro) zum Ankauf der fünf Gemälde aufzubringen, sagte Gehrer.

Es gab Leute die so viel wie Lauder oder mehr zu zahlen bereit waren

Laut US-Zeitungsberichten war der Kunst-Anwalt Steven Thomas von dem in Los Angeles ansässigen Anwaltsbüro Irell & Manella bei den nun folgenden Verhandlungen beigezogen. Die Erben wollten, dass die Werke künftig dauerhaft öffentlich ausgestellt seien, aber auch, dass der Wert der Gemälde gewürdigt werde, sagte Thomas der "Los Angeles Times". Fünf bis zehn private Sammler sowie drei bis fünf Museen seien äußerst interessiert an einem Kauf gewesen, schilderte Thomas: "Am Anfang lagen erste Gebote sehr nahe der Summe, mit der Ronald eingestiegen ist. Und es hat Leute gegeben, die, glaube ich, zumindest so viel oder mehr zu zahlen bereit waren."

Los Angeles County Museum of Art ging trotz großer Anstrengungen leer aus

Große Anstrengungen um einen Erwerb der Bilder hat das Los Angeles County Museum of Art (LACMA) unternommen, wo die restituierten Bilder seit Anfang April in einer Sonderausstellung zu sehen sind. "Es ist traurig, dass das Bild nicht in Los Angeles bleibt", sagte Museumsdirektor Michael Govan der "LA Times", "aber der Umstand, dass es an ein US-Museum geht, ist großartig." Govan, der alle fünf Gemälde für sein Museum sichern wollte, hatte in den vergangenen Wochen praktisch täglich mit potenziellen Sponsoren telefoniert. Das LACMA, das normalerweise nicht mehr als 5 Mio. Dollar jährlich für Ankäufe ausgibt, habe gehofft, insgesamt rund 150 Mio. Dollar zusammentragen zu können, berichtet die Zeitung unter Berufung auf zwei museumsinterne Quellen. Doch die Bilder beisammen zu lassen "war nicht eines der vorrangigen Ziele der Erben", so Thomas.

Altmann-Anwalt E. Randol Schoenberg: "Fairer Preis"

Von dem Abschluss mit Lauder und der Neuen Galerie in New York, der mit Hilfe des Auktionshauses Christie's bereits vor einigen Wochen getätigt wurde und über 15 Vertrags-Seiten umfassen soll, war das LACMA nicht informiert. Altmann-Anwalt E. Randol Schoenberg nennt es "einen fairen Preis" und freut sich, dass die "Goldene Adele" auch künftig öffentlich ausgestellt wird: "Für Maria (Altmann, Anm.) und mich wäre es zwar netter gewesen, es in Los Angeles zu haben, aber New York ist auch ein schöner Platz dafür."

Laut "LA Times" schätzen Experten den Wert der restlichen vier Klimt-Gemälde im Besitz der Bloch-Bauer Erben auf "zwischen 100 und 150 Mio. Dollar", ihr weiterer Verbleib soll noch nicht entschieden sein. "Vielleicht wird sich nach der Ausstellung in der Neuen Galerie Christie's um sie kümmern", so Maria Altmann gegenüber der "New York Times", "Ich hoffe sehr, dass sie an ein Museum gehen werden." (APA)