"Militärstrategie und Unternehmensführung" stand am Dienstagabend im Uni Management Club Wien auf dem Programm. Gemeinsamkeiten und Differenzen der Kriegskunst und der Wirtschaft sollten herausgearbeitet werden, wozu sich der ehemalige Leiter des Heeresnachrichtenamtes (HNA), Alfred Schätz, und Robert Kremlicka, Partner und Geschäftsführer von A.T. Kearney Österreich, einfanden.

Knapp 50 Clubmitglieder wohnten dem Abschluss-Event des Sommersemesters bei - in der Hoffnung, Tipps für die erfolgreiche berufliche Zukunft zu erhalten.

Den Gegner lenken

"Was ist Strategie, woher kommt das Wort?", fragte Kremlicka, "und inwiefern können Militär und Wirtschaft vom jeweils anderen lernen?" Heute sei Strategie omnipräsent, "vom Sport bis zur Wirtschaft". In der globalen Kulturgeschichte fänden sich zahlreiche Zitate, die sich mit Varianten des strategischen Handelns - ob kriegerisch oder ökonomisch - beschäftigen. So meinte der japanische Samurai Miyamoto Musashi im 17. Jahrhundert in seinem "Buch der fünf Ringe", das Ziel müsse "unter allen Umständen sein, den Gegner so zu lenken, wie man selbst es will". Niccolò Machiavellis (1469-1527) bekanntestes Werk "Il Principe" ("Der Fürst"), das von Managern gern gelesen wird, behandelt den Weg zur Alleinherrschaft und deren Erhalt. Dass die Konkurrenz dabei nicht um jeden Preis vernichtet werden muss, wusste der chinesische General Sun Tsu bereits um 500 vor Christus: "Der kluge Führer unterwirft die Truppen des Feindes ohne Kampf."

Grundsätzlich seien Militärstrategen "viel präziser als Wirtschaftsberater", so Kremlicka, denn mit der unbedingten Klärung des "Wann, Wo, Womit und Wie?" verstünden sie "Strategie als planvollen Ressourceneinsatz zur Erreichung eines vordefinierten Ziels".

General a.D. Schätz, der seine Verbundenheit mit den Studenten durch die Begrüßung als "liebe Kolleginnen und Kollegen" ausdrückte und auf seine laufende Dissertation verwies, zeigte sich "stolz auf die Verbindung, die es zwischen Wirtschaft und Militär gibt - angeblich!"

Beide Seiten seien "permanent mit einer Lagebeurteilung konfrontiert", Fehleinschätzungen seien nicht weniger problematisch als zu großes Vertrauen. "Die Lagebeurteilung nach dem heutigen Wetterbericht hätte ergeben, dass wir mit dem Regenschirm hier wären", legte Schätz dar, was das hitzegequälte Publikum mit breitem Grinsen quittierte. Militärische Urteile stützen sich "auf Zahlen, Daten und Fakten" genauso wie auf Erfahrungswerte.

Parallel zur immer wieder beklagten Wirtschaftsflaute musste in den letzten Jahren auch das Bundesheer seine Strategien überdenken. "Der Kalte Krieg war eigentlich problemlos. Da konnte man am Freitag fünf Punkte abhaken, und wenn die passten, dann wusste man, es gibt keine Krise." Im Schatten des Kriegs gegen den Terror "geht das nicht mehr". Bedrohung trete einmal als besitzloser Koffer auf, zwei Tage später als Bombenanschlag und irgendwann als entführtes Flugzeug, das in ein Haus knallt.

Abstand nahm Schütz von einer Denkweise, "dass ein Soldat, der nicht zum Einsatz kommt, sein Geld nicht wert ist". Dies sei ökonomisch interessant, militärisch "unmenschlich und gefährlich".

In diesem Sinne, schloss Schätz den Abend ab, sei es durchaus legitim, wenn sich die Wirtschaft, respektive die Unternehmensführung, an Militärstrategien anlehne; umgekehrt sei die Übernahme von Handlungsweisen jedoch mit Vorsicht zu genießen.