1. Der britische Premierminister Tony Blair schreibt unter dem nämlichen Titel in einem Kommentar für "Newsweek":

Natürlich setzen wir uns mit unserer Entscheidung, gegen Milosevic gewaltsam vorzugehen, dem üblichen Sperrfeuer an Kritik aus: Manchen Leuten fällt es offenbar schwer, sich damit abzufinden, daß es da eine neue Führer-Generation in den USA und in Europa gibt, Nachgeborene des Weltkriegs, die zwar als Verfechter einer progressiven Politik bejubelt werden, die aber zugleich bereit sind, genau so hart zu sein wie ihre Vorgänger, egal ob rechts oder links, wenn es darum geht, in einem Konflikt wie diesem den Durchblick zu wahren und entsprechend zu handeln. Und genau das wollen und werden wir tun. (...)

Wir wollen einem neuen Jahrtausend entgegengehen, indem Diktatoren nicht mehr schalten und walten können, wie sie wollen. Wir kämpfen nicht um Territorien sonder für Werte. Für einen neuen Internationalismus, der ethnische Säuberungen und brutale Unterdrückung nicht toleriert. Für eine Welt, in der es für jene, die für solche Verbrechen verantwortlich sind, kein Entkommen gibt.

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2. FAZ-Kommentator Lorenz Jäger hat einen Aufsatz von Joschka Fischer ausgegraben - erschienen vor rund zwanzig Jahren im "Kursbuch" -, in dem sich der Neo-Außenminister Deutschlands - als einer der ersten Protagonisten der Studentenrevolte - kritisch mit dem alten internationalen Engagement der Linken auseinandersetzte, das sich spätestens 1979 (Flucht der "Boat People" vor den Roten Khmer) als Mythos entlarvt habe:

Die Illusionen des marxistischen Internationalismus endeten, so Fischer damals, im südchinesischen Meer. Und dann fällt der Satz: "Ich bin für unsere Verantwortung". Meinungen können Menschen, wie die Erfahrung zeigt, leicht ändern. Motive dagegen bleiben stabiler.

Dies manifestiere sich, so der Autor weiter, auch in Fischers Haltung zur spezifischen Rolle Deutschlands:

Deutsche Soldaten, so hat Fischer in einem Interview nicht ohne Pathos verkündet, stehen an der Seite der ältesten Demokratien. (...) Der Kriegseinsatz in der Nato dient also der Rehabilitierung Deutschlands, denn ein Deutschland, das an der Seite der Westalliierten kämpft, ist definitiv nicht mehr das der Nachkriegszeit. Auch hier stößt man auf die Geschichte der Achtundsechziger.

Diese Generation hatte geglaubt, mit einer neuen Politik den Abstand vom Nationalsozialismus glaubhaft machen zu können. Das gelang bekanntlich nicht in dem erhofften Ausmaß, und auch die 68er bemerkten, daß da etwas nicht vergehen wollte. Deshalb wohl spricht der Minister heute die Sprache des militärischen Antifaschismus, erinnert an die Politik des Appeasements, an "Schindlers Liste" und an Pinochet. An der Regierungsmacht beteiligt zu sein, bedeutet im Moment, die Chance für ein anderes Bild Deutschlands in der Welt nutzen zu können.
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3. Etwas widersprüchlicher scheint sich dagegen die Exegese alter und neuer Texte von Hans Magnus Enzensberger zu gestalten: In der jüngsten Ausgabe des "Spiegel" plädiert der Essayist für die Bewaffnung der Kosovaren und übt scharfe Kritik an der Friendesbewegung: "Das Paradox scheint mir, daß die Reste dieser Bewegung Seite an Seite mit den Anhängern der Massenmörder herumlaufen."

Das Paradox, daß Enzensberger in einem Essay 1992 noch gegen eine "allmächtige Moral" und die "universalistische Rhetorik" wetterte, "die keinen Unterschied zwischen dem Nahen und dem Weiten macht", (was den französischen Innenminister und erklärten Gegner der Nato-Einsätze, Jean-Pierre Chev`enement, in der Vorwoche dazu bewog, eine Kopie dieses Aufsatzes unter seinen Mnisterkollegen zu verteilen) beschäftigt derzeit nicht nur die Intellektuellen in Frankreich und Deutschland (siehe unten).