Warschau - Beim "Rücktritt" des polnischen Premiers Kazimierz Marcinkiewicz spielte offenbar auch die Affäre um eine Satire über Staatspräsident Lech Kaczynski in der Berliner taz eine Rolle. Bruder Jaroslaw war unzufrieden über die, wie er meinte, "zu schwache" Reaktion der Regierung auf die vor einigen Wochen erschienene Satire, in der Lech Kaczynski mit einer Kartoffel verglichen wird.

Anders als von seinem Bruder und wohl auch ihm, Jaroslaw, selbst erwartet, hatte die deutsche Bundesregierung es abgelehnt, die Satire in der taz zu bedauern und den Kaczynski-Brüdern ihre Solidarität auszudrücken. Vielmehr verwies der Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin darauf, dass die Bundesregierung prinzipiell keine Stellung nehme zu Artikeln, die in der Presse über ausländische Politiker erschienen.

Jaroslaw Kaczynski will nun höchstpersönlich den Kampf aufnehmen gegen die "ständigen Attacken, denen sich in letzter Zeit auch ausländische Tageszeitungen angeschlossen"hätten. Vor einigen Wochen hatte die polnische Wochenzeitschrift Wprost gewarnt: "Es gibt eine Sphäre, wo Jaroslaw Kaczynski überhaupt keinen Spaß versteht: Jaroslaw Kaczynski".

Präsident Lech Kaczynski sagte vor wenigen Tagen in seiner ersten Stellungnahme zu der Satire, diese gehe über alle Grenzen hinaus, "wenigstens in unserer politischen Zivilisation". Der Artikel sei "schändlich", er betreffe nicht nur Politiker, "sondern auch meine Mutter, die kein Politiker ist".

taz-Autor Peter Köhler hatte sich in der Satire-Serie über "Schurken, die die Welt beherrschen wollen"in seinem Porträt über Lech Kaczynski darüber lustig gemacht, dass Zwillingsbruder Jaroslaw bei der Mutter wohnt.

PiS-Fraktionschef Przemyslaw Gosiewski hat sich für eine Anklage gegen Köhler wegen Präsidentenbeleidigung ausgesprochen. (gl/DER STANDARD, Printausgabe, 10.7.2006)