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Ärger mit dem Idol: Marco Materazzi.

Foto: APA/AP/Medichini

Rom - Der italienische Fußball-Nationalspieler Marco Materazzi, dessen verbale Provokation im WM-Finale gegen Frankreich zur Tätlichkeit und schließlich zum Ausschluss des scheidenden Superstars Zinedine Zidane geführt hatte, bezeichnete den dreifachen Weltfußballer als seinen "großen Helden". In einem Interview mit der italienischen Sport-Tageszeitung "La Gazzetta dello Sport" (Donnerstagausgabe) bestritt der Abwehr-Hüne außerdem, Zidanes Mutter beleidigt zu haben.

"Zidane war immer mein Held und Vorbild, ich bewundere ihn sehr. Nach einem Meisterschaftsspiel zwischen Juventus und Perugia haben wir sogar Trikots getauscht, seines hängt noch immer in meinem Schrank", erklärte Materazzi und fügte hinzu: "Ich habe nichts über Rasse, Religion oder Politik zu ihm gesagt und ich habe auch nicht über seine Mutter gesprochen. Ich habe meine Mutter verloren, als ich 15 Jahre alt war und es tut noch immer weh, über sie zu sprechen."

Über den schlechten Gesundheitszustand von Zidanes Mutter, die sich zur Zeit im Krankenhaus befindet, habe der Inter-Verteidiger nicht Bescheid gewusst. "Ich wünsche ihr das Beste." Der WM-Auftritt des französischen Kapitäns, der seine Karriere mit dem Finale beendete, habe Materazzi schwer beeindruckt: "Er war der Beste. Mit seinen fast 35 Jahren hat er die Zuschauer begeistert."

Der frisch gebackene Weltmeister gab zu, Zidane in der Verlängerung des Endspiels in Berlin beleidigt, eine derartige Reaktion aber nicht erwartet zu haben. "Ich hätte eine verbale Reaktion, nicht einen Kopfstoß erwartet", meinte Materazzi und ergänzte: "Zidanes Kopfstoß hat meine Freude über den Titel zwar nicht ruiniert, aber schon ein wenig gedämpft."

Der französische Ex-Welt- und Europameister, der 1972 in Marseille als Sohn algerischer Einwanderer zur Welt kam, stellte die Vorfälle am Mittwoch in einem Live-Interview mit dem französischen Pay-TV-Sender Canal Plus ganz anders dar. Materazzi habe seine Mutter und seine Schwester "mit sehr schlimmen Worten" beleidigt, erklärte Zidane. Englische Zeitungen, die sich Lippenleser beriefen, hatten sogar berichtet, dass der Inter-Verteidiger Zidane als "Sohn einer Terroristen-Hure" bezeichnet haben soll.

Als Hauptgrund für die Tätlichkeit nannte "Zizou" demnach die "Verteidigung der Ehre" seiner Mutter und Schwester an. "Ich wusste, dass es mein letztes Spiel war und nur noch zehn Minuten zu spielen waren. Aber vor allem anderen bin ich in erster Linie ein Mann."(APA/Reuters)