Los Angeles - Kango stöbert mit seiner Schnauze in der Spielzeugkiste herum. Tango und Blake balgen sich um einen Stoffhasen. Keaton pinkelt vor lauter Aufregung auf den Boden. Willkommen im High-Tech-Hundehort "Doggieview" (Hundeblick), in dem Herrchen und Frauchen das Wohlergehen ihres Schützlings auch aus der Ferne verfolgen können. Das Internet macht's möglich. Als Barbara Waldere, selbst leidenschaftliche Hundebesitzerin, Pläne für ihre Tagesstätte schmiedete, beschäftigte sie vor allem ein Gedanke: "Mein Hund ist mein Kind. Wenn ihm etwas zustoßen würde, dann wäre ich am Boden zerstört. Deshalb betrachte ich alle Hunde hier als die Kinder meiner Kunden." Für die 34jährige, seit 18 Jahren unter anderem als Friseurin und Trainerin im Haustiergeschäft, sind die Sorgen amerikanischer "Hundeeltern" nur allzu familiär: Trennungsängste, Zweifel ums Wohlergehen, Angst vor Mißhandlung. Die Unternehmerin erfuhr von Kinderhorten mit Internet-Überwachung und übernahm das Konzept. Sie eröffnete in Los Angeles (Kalifornien) die erste Hundetagesstätte, die zwölf Stunden lang täglich Videobilder anbietet, live und ungeschnitten. Der Kamera, die in einer Ecke des Raumes montiert ist, entgeht nichts - eingeschlossen Barbara Waldere, die mit Wischmob und Hundekeksen versucht, das Spielstubenchaos unter Kontrolle zu halten. Wer wissen will, was das liebe Haustier gerade so macht, kann sich bequem von seinem Arbeitsplatz aus am Computerschirm informieren (www.doggieview.com). "Es gibt mir das Gefühl, eine wirklich verantwortungsvolle Mutter zu sein. Ich kann ihn überwachen und schauen, wie es ihm geht", erklärt Ande Endeward, das Frauchen von Labrador Blake. Greg Orrante pflichtet bei. "Man hört Horrorgeschichten aus allen Lebensbereichen", sagt der Amerikaner, dessen Lebensinhalt ein einjähriger Golden Retriever namens Kango ist. Jetzt könne er beruhigt seinen langen Arbeitstagen nachgehen. Der Seelenfrieden hat seinen Preis. Mit 25 Dollar (23,2 Euro/319 S) pro Tag oder 500 (464 Euro/6.385 S) im Monat ist der Hundehort teurer als eine durchschnittliche Kindertagesstätte. Die "Doggieview"-Kunden folgen indessen einem stark wachsenden US-Trend: Das Verwöhnen von Vierbeinern, einst als ein Hobby von vereinsamten Menschenseelen mit zuviel Geld angesehen, hat sich zu einer Massenbewegung gemausert. So wächst das Geschäft mit dem Hund. Hundekonditoreien dekorieren Geburtstagstorten und backen Biskuits aus biologisch angebauten Zutaten. Denn wenn Frauchen im Naturladen einkauft, dann soll sich auch der Hund gesund ernähren. Und läßt sich Herrchen von Homoöpathen oder Psychologen helfen, wird gleiches auch für den notorischen Kläffer oder Beißer als angemessen betrachtet. So ist denn Barbara Walderes High-Tech-Tagesstätte auf so großes Interesse gestoßen, daß sie jetzt ein zweites Unternehmen starten will. (dpa)