Genf - Bei bewaffneten Konflikten wie dem NATO-Luftkrieg gegen Jugoslawien gelten völkerrechtliche Grundsätze zum Schutz der Zivilbevölkerung. So heißt es in der 4. Genfer Konvention, "Zivilpersonen dürfen niemals angegriffen werden; sie sind zu schonen, zu schützen und jederzeit mit Menschlichkeit zu behandeln". Besondere Schutzmaßnahmen sieht die Konvention unter anderem für "Fahrzeugkolonnen und Lazarettzüge" vor. Seit der Unterzeichnung der Genfer Konventionen 1949 ist in Kriegen aber immer wieder gegen diese Bestimmungen verstoßen worden. "Sollte sich herausstellen, daß die NATO diesen Flüchlingskonvoi wirklich beschossen hat, dann wäre dies selbstverständlich ein Bruch des internationalen humanitären Rechts", sagte eine Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) am Donnerstag auf Anfrage in Genf. In solchen Fällen sei es theoretisch möglich, daß ein Staatsanwalt in einem beliebigen Land - auch in Rußland oder Jugoslawien - ein Ermittlungsverfahren zu dem Vorfall einleite und auch einen Prozeß eröffne. Dieser Prozeß wegen Verstoßes gegen das humanitäre Völkerrecht finde dann nach der Prozeßordnung des jeweiligen Landes statt. "In einigen Ländern läßt die Prozeßordnung auch eine Verurteilung in Abwesenheit zu", betonte die IKRK-Sprecherin. (APA/dpa)