Grafik: Der STANDARD
Im Winter 1936/37 waren die Fronten zwischen den durch die Insurrektion der Generäle entstandenen "Zwei Spanien"erstarrt. Die "Nationalen"beherrschten Nordost- und zum Teil Südspanien. Der größere Teil der Atlantikküste - Asturien und das nördliche Baskenland - wurde vorerst von den Republikanern erfolgreich verteidigt, es gelang ihnen sogar, das in aufständischer Hand befindliche Gijón zurückzuerobern. Das ebenso republiktreue Baskenland allerdings wurde durch Besetzung von Irún durch General Molas Nordarmee von der französischen Grenze abgeschnitten.

Franco gelang es mithilfe der deutschen und italienischen Transportflugzeuge relativ rasch, seine Afrika-Armee auf das europäische Festland zu transferieren. Dort hatte General Queipo de Llano in einem Überraschungscoup Sevilla in die Hand bekommen. Er war unter dem Vorwand, Zollwachen zu inspizieren, angereist. In Sevilla forderte er, von drei Offizieren begleitet, den Garnisonkommandanten auf, sich der Erhebung anzuschließen.

Als dieser zögerte, erklärte er ihn für verhaftet. Er gewann die Artilleristen für sich, ließ sie vor dem Gebäude des Zivilgouverneurs auffahren, worauf dieser kapitulierte. Als die Arbeiter- und Bauernmilizen aus den Vororten stürmten, war das Zentrum bereits in der Hand der Aufständischen, der General verhängte das Kriegsrecht und hielt über das Radio eine wüste Ansprache, er werde die "Kanaille", wenn sie angreife, erbarmungslos niederschießen.

Matrosen meutern

In Cádiz gelang es Francos Marokkanern, einen Brückenkopf zu bilden, was ihm aber den Transport vorerst nicht erleichterte, weil die Matrosen der Flotte, die vor der Küste kreuzten, gegen ihre Verschwörer-Offiziere meuterten. Während Granada kampflos in die Hände der Rebellen fiel, konnte Queipo de Llano erst mit dem Eintreffen von Afrika-Truppen seine Drohungen mit Massakern in den Arbeitervierteln wahrmachen. Zu den ersten Kampfhandlungen an einer Front des Bürgerkriegs kam es, als General Mola versuchte, von Norden über die Sierra de Guadarrama gegen Madrid vorzustoßen. Das gelang ebenso wenig wie danach der Vorstoß auf die Hauptstadt, der im Universitätscampus stecken blieb. West- und Zentralandalusien gerieten mit dem wachsenden Nachschub aus Afrika, wie auch die gesamte Grenze zu Portugal, in Francos Herrschaftsbereich. Anfang Februar wurde mithilfe italienischer Truppen Málaga erobert. Unmittelbar darauf begann eine nationale Offensive im Tal des Jarama, eines Nebenflusses des Tajo östlich von Madrid.

Stellvertreterkrieg

Hier waren vier Internationale Brigaden an vorderster Front im Einsatz, die Verluste waren sehr hoch. Doch nicht nur, dass die republikanische Armee reorganisiert worden war, auch sicherten sowjetische Jagdflugzeuge zum ersten Mal die Luftüberlegenheit gegenüber den Deutschen, ebenso kamen russische Panzer zum Einsatz. Der "Stellvertreterkrieg"war also schon voll im Gang.

Erneut traten am 8. März die Rebellen zum Angriff auf Madrid an, nun vom Nordosten her. Das Ziel war die Provinzhauptstadt Guadalajara, 80 Kilometer vor Madrid. In der Nähe lag das russische Fliegerhauptquartier. Der Angriff der vereinigten Italiener und Truppen des Alcázar-Verteidigers Moscardo überraschte die Republikaner zunächst, dann aber stießen die Angreifer auf die Division des im sowjetischen Exil ausgebildeten Enrique Lister, bestehend aus der vorwiegend deutschen XI. Brigade, der Brigade des Kommunisten "El Campesino"(der Bauer) sowie einer baskischen Einheit. Es kam bei Brihuega zu einer mehrtägigen "internationalen", Schlacht, in der siebzig Sowjetpanzer entscheidend zum Sieg über die Italiener beitrugen. Die geplante Einkreisung Madrids war verhindert worden, Guadalajara blieb republikanisch. Der wütende Mussolini erklärte, kein Italiener dürfe lebend heimkehren, es sei denn als Sieger. Die Madrider Regierung protestierte im Völkerbund gegen die nun bewiesene Anwesenheit regulärer italienischer Truppen, was freilich ohne Folgen blieb. (Manfred Scheuch/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27. 7. 2006)