Der internationale Kongress "Frauen in Naturwissenschaft und Technik" findet im Jahr 2001 das erste Mal in Österreich statt. Der Kongress versteht sich als kritisches Forum gegenüber Naturwissenschaft und Technik. FluMiNuT, die österreichische Vorbereitungsgruppe, hat dafür den Schwerpunkt „Wissen schaf(f)t Widerstand“ ausgewählt. Wissenschaft und Widerstand – Wissen schafft Widerstand – Inwiefern? „Auf jeden Fall unseren Widerstand innerhalb des herrschenden Wissenschaftssystems“, antwortet Brigitte Ratzer, Mitarbeiterin des Vereins FluMiNuT, und fügt hinzu: „Naturwissenschaft und Technik sind auch politisch.“ Wissenschaft war schon immer ein Ort der Herrschaft, aber auch ein Ort bestimmter Formen von Widerstand. Mensch muss etwas wissen, bevor Widerstand geleistet werden kann. Außerdem eröffne die Vernetzungsidee, das Wissen um andere, was ja auch durch den Kongress passiert, Möglichkeiten. Herstory Beim 25. Kongress vor einem Jahr in Darmstadt wurden Frauen aus Österreich angesprochen, ob sie nicht jenen im Jahr 2001 organisieren wollen. Dadurch wurden auch die Grenzen erweitert, denn bis dahin hatte der Kongress von Frauen in Naturwissenschaft und Technik immer in Deutschland statt gefunden – nächstes Jahr wird er also zum ersten Mal in Wien statt finden. Dazu wurde der Verein FluMiNuT (Frauen/Lesben und Mädchen in Naturwissenschaft und Technik) gegründet, der die Organisation dieses Kongresses übernimmt – die meisten Frauen arbeiten gratis. Als im Februar diesen Jahres die neue österreichische Regierung fest stand, war auch den Frauen von FluMiNuT sehr schnell klar, welchen Schwerpunkt sie haben wollen: „Wissen schaf(f)t Widerstand“. Dieser entstand jedoch auch aus einem Diskussionsprozess, der einzelne Zugänge sichtbar machte, denn Naturwissenschaft und Technik sind bei weitem nicht einheitlich. Vorbereitungsphase Das bei den bisherigen Vorbereitungen gesammelte Wissen wird von Jahr zu Jahr an die nächste Frauengruppe weitergegeben. Durch die inhaltliche Vernetzung und die bisher entstandenen Netzwerke (z.B. die als Diskussionsorgan fungierende Zeitschrift „Koryphä“) fällt es leichter Frauen zu suchen, die beim Kongress spezielle Themen abdecken können und wollen. Viele Frauen melden sich aber auch von selbst als Referentinnen. „Vernetzungsmäßig sind wir ganz gut“, erzählt Brigitte Ratzer. Um der Wienlastigkeit entgegenzuwirken wird jedoch versucht, Frauen aus den Bundesländern anzusprechen – hier fehlt’s noch an Netzwerken. Neben den bereits angesprochenen inhaltlichen Vorbereitungen wie auch den organisatorischen (z.B. Räume bereit zu stellen) ist die Finanzierung ein großer Punkt der Kongressvorbereitung. Ein Volumen von etwa 1,5 Millionen Schilling muss aufgestellt werden. „Das Sponsoring ist schon ein Problem“, so Brigitte Ratzer. Bisher gibt es eine Zusage vom Wissenschaftsministerium. Die Rückmeldungen aus den meisten Bundesländern sind zwar sehr positiv („Wir finden’s toll.“), in finanzieller Hinsicht hagelt es „aus Geldmangel“ jedoch Absagen. Einmalige Chance für Österreicherinnen Für Österreicherinnen wird dieser Kongress eine „einmalige Chance“ sein, da sie sich mit kurzer Anreise einmal anschauen können, was es im Bereich Naturwissenschaft und Technik so gibt – Inhalte, die in den Lehrplänen an den Technischen Universitäten selten vorkommen. Neben einer geringen Teilnahmegebühr von 400 Schilling für Studentinnen (1.000,- für Akademikerinnen) entstehen ihnen von der Anreise abgesehen sonst kaum Kosten (gratis Unterkunft und billiges Essen werden organisiert). Ein Folder mit den ersten Vorinformationen wurde von FluMiNuT bereits produziert, um den Kongress über den Sommer und Herbst gerade auch in Österreich massiv zu bewerben. Da der Ausschluss von Frauen bereits in der Schule beginnt und sich bis in die höchsten Hierarchien zieht (auch im Bereich Naturwissenschaft und Technik gibt es an den Universitäten kaum Professorinnen), sollen möglichst viele Frauen angesprochen und in das Thema einbezogen werden. Dazu wird auch versucht, eine möglichst große mediale Öffentlichkeit herzustellen. Junge Frauen ermutigen In der Naturwissenschaft und Technik geht es auch um Macht im gesellschaftlichen Bereich: Wie schauen Häuser aus? Wie wird gereist? Unsere Lebenswelt wird da geformt. Deshalb versucht FluMiNuT, junge Frauen in diese Richtung – der oftmals hochdotierten Jobs – zu ermutigen. Trotz der an der herrschenden Naturwissenschaft und Technik geäußerten Kritik, ist es eine Tatsache, dass mit der Teilhabe Macht verbunden ist. Wenn mehr Frauen beteiligt werden, würden oft einfach auch andere Fragen auftauchen. Ein Beispiel: Eine Arbeitswoche in diesem Bereich hat de facto 60 Arbeitsstunden, was mit der Versorgung und Betreuung einer Familie sowie zu erledigender Hausarbeit nicht möglich wäre. Hier stehen zumeist Frauen im Hintergrund, die in der Regel Männern dieses Maß an wissenschaftlicher Betätigung erst ermöglichen. Die Gefahr der Abgehobenheit ist da leicht gegeben. Wenn diese Männer nun eine Stadt planen, werden oft „banale“ Lebensrealitäten nicht einbezogen: Wie ist es, sich mit einem Kinderwagen durch diese Stadt zu bewegen? Wie ist die Planung für ältere Menschen? Bei diesem 27. Kongress von Frauen in Naturwissenschaft und Technik wird der Wissenschaftsbetrieb hinterfragt werden. Behindern die Methoden an sich schon? Was ist mit „als nichtwissenschaftlich“ ausgeschlossenen Bereichen? Diese kommen oft eher von Frauen – sind doch feministische Wissenschaften nach wie vor marginalisiert. Von Problemen und Erfreulichem Dass hinter einer Kongressvorbereitung viel Arbeit steckt, kann sich mensch vorstellen. Was spielt da aber noch alles rein? Nach der Bildung der schwarz-blauen Regierung stellten sich die Frauen von FluMiNuT die Frage, ob sie den Kongress nicht lieber absagen sollten. Umfragen bei deutschen Kolleginnen ergaben, dass diese bei Finanzierungsproblemen bereit wären, mehr Geld für die Teilnahme zu zahlen. Dazu kam die Überzeugung, die Regierung „so was nicht vereinnahmen zu lassen“, so Ratzer. Einen politischen Teil wird der Kongress auf alle Fälle beinhalten. Und das gute Klima in der Vorbereitungsgruppe, die vielen positiven Reaktionen sowie Frauen, die an FluMiNuT herantreten und ihre Mitarbeit gratis anbieten, haben die Frauen des Vereins in ihrem Vorhaben nur bestärkt. Kontakt Webpage: fluminut.at E-Mail: kongress@fluminut.at Telefon: 0043/1/58801/43117 Daniela Yeoh