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Auch Krankenhäuser sind vor Heuschrecken nicht gewappnet: Für 33 Milliarden US-Dollar wurde vergangene Woche der US-Klinikbetreiber HCA von Bain Capital, KKR und Merrill Lynch übernommen. Angesichts des immensen von Private Equity (PE)-Fonds akkumulierten Volumens von 71,8 Milliarden Euro im letzten Jahr sollte dieser bislang weltweit größte Deal privater Investoren niemanden überraschen.

Und auch nicht beunruhigen - denn PE-Firmen schaffen Wert und Arbeitsplätze: Viermal schneller als im Durchschnitt der Wirtschaft wachsen die Umsätze der PE-Beteiligungsunternehmen und ihre Mitarbeiterzahl erhöhen sie um fünf bis 15 Prozent pro Jahr.

Deren Erfolgsrezepte wollen daher immer mehr Unternehmen kopieren.

1. Timing-Vorteil: PE-Fonds agieren mit zwei Geschwindigkeiten - vor und nach der Übernahme. Gründlicher als andere überprüfen sie die Unternehmen, können dann aber meist ohne Kartelleinschränkungen die Deals zügig abschließen. Danach hecheln sie nicht Quartalszahlen hinterher wie AGs.

Was zählt, ist der "Exit-Preis" nach drei bis sieben Jahren. Das verschafft Luft für längerfristige Maßnahmen. Trotzdem drücken Beteiligungsgesellschaften aufs Tempo.

PE-Legende Henry Kravis, Gründer von KKR, drückt das so aus: "Wir fällen Entscheidungen sehr schnell und fokussieren das Management wie einen Laser auf die Kernaufgaben." Hundert Tage nach der Übernahme müssen die grundlegenden Entscheidungen getroffen sein. Danach muss man Durchhaltevermögen beweisen, so wie KKR bei Zumtobel: 2000 gekauft, kündigte man vor wenigen Wochen an, vielleicht dieses Jahr an die Börse gehen zu wollen.

2. Finanzierungs-Vorteil: Mit zirka 30 Prozent Eigenkapital sind die von PE übernommenen Unternehmen meist besser finanziert als typische Mittelständler - nur 15,9 Prozent beträgt die durchschnittliche Eigenkapitalquote in Österreich: Zwei Drittel aller Firmen wären sonst langsamer gewachsen, mehr als 17 Prozent hätten sich sogar auf eine Insolvenz einstellen müssen.

Auch wenn die Schulden für die Übernahme geschultert werden müssen - Wachstumsinvestitionen werden selten gebremst. Das funktioniert so lange, wie die Zinsen niedrig und die Gewinnzuwächse hoch sind. Ändern sich die Bedingungen, dann löst sich das Konzept auf wie ein Keks im Kaffee, so wie beim Autozulieferer Edscha, der 85 Prozent des Ertrages für den Kapitaldienst verwenden muss oder beim Sanitärhersteller Grohe, den ein Schuldenberg von über einer Milliarde Euro drückt.

3. Motivations-Vorteil: Steigt bei AGs der Unternehmenswert, profitieren Vorstände über Aktienoptionen; sinkt der Kurs, passiert nichts. Anders in PE-Firmen: Investoren und Führungskräfte sitzen in einem Boot, die Interessen sind gleich. Mit bis zu zwei Jahresgehältern muss das Management einsteigen. Scheitert der Turnaround, ist das Privatvermögen hin. Gelingt er, vervielfacht sich der Einsatz.

Klar, dass Manager denken und handeln wie Eigentümer. Die Renditemaximierer brechen mit Tabus, trennen sich von unrentablen Unternehmensbestandteilen und senken die Kosten mit unnachgiebiger Härte. So wundert es nicht, dass der PE-erfahrene Börje Ekholm zum CEO der zum Wallenberg-Imperium gehörenden Investor-Gruppe ernannt wurde.

Der Erfolg von PE-Fonds ist nicht nur mit diesen Faktoren zu erklären. Was mindestens so bedeutend ist, lässt sich kaum duplizieren - es ist der frische Blick aufs Geschäft, die Macht des Neuanfangs und die Begrenztheit des Auftrags, die besondere Energien verleiht. Dies freilich kann man Unternehmen nicht injizieren wie Sportlern Testosteron. Erlernbar ist nur professionelles Fitnessprogramm, von dem Unternehmen - mehr als von einer Glücksspritze - nachhaltig profitieren können. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6.8.2006)