Die klassische Postkartenansicht von Dürnstein musste erst hergestellt werden. Seit dem 17. Jahrhundert gibt's die nur mehr mit dem Schloss.

Foto: Hotel Schloss Dürnstein

Begonnen hat es ja nicht so nett: Gleich zehn Winzerhäuser ließ der Freiherr von Zelking laut Hauschronik so um 1622 platt machen, um in Dürnstein Platz für das Neue Schloss zu schaffen.

Gleichwohl muss man zugeben: Ausblicktechnisch hat sich der kleine önologische Kehraus durchaus gelohnt. Und den einen oder anderen feinen Winzer hat die Gegend ja trotzdem noch.

Gleich neben dem Dürnsteiner Stift auf dem Felsen steht das Schlosshotel, während der Schließzeit im vergangenen Winter generalüberholt. Was nichts daran ändert, dass mancher Gast des Schlosshotels im Kasten duscht. Das liegt nicht etwa an zarter Verwirrung durch erhöhte Zufuhr geistiger Getränke der nach dem Schlossbau noch verbliebenen Traubenverarbeiter der Gegend.

Der Schwan am Hahn

In dem jahrhundertealten Gemäuer ließen sich moderne Sanitäreinrichtungen einfach nicht anders einbauen als in einer recht mächtigen Schrankwand. Was auch die Frage nach den Platzverhältnissen beim Duschen beruhigend löst: Die Schrankbäder sind höchst geräumig und mit Sinn für Prunk ausgestattet.

Goldfarbene Schwäne als Wasserhähne freilich entdeckt man erst ein paar Stöcke tiefer im hauseigenen Restaurant.

Durchaus schmuck auch die Versorgungslage dort: Die professionellen Gastrokritiker des Gault Millau stellen das Schlossrestaurant auf eine Haubenstufe mit ausgezeichneten Kollegen wie Gerhard Jeitler in der Buckligen Welt oder Floh in Langenlebarn.

Mit diesem Ausblick auf den Sonnenuntergang über dem Donauknie von Rossatz auf der anderen Flussseite als Essensbegleiter hätte es der gediegenen Gänseleber gar nicht zwingend bedurft, um nachhaltig froh zu stimmen. Da stören auch etwas gewagtere Kombinationen von Spargelmousse, großartigem Rehrückenstückchen und ein paar süßen Klecksen nicht weiter. Fünf feine Gänge für 39 Euro sind alles andere als überbezahlt.

Wenn Sie schon in der Gegend sind, könnten Sie freilich an einem Abend Ihres Aufenthalts - am besten per Taxi - den "Koch des Jahres" im Kloster Und besuchen. Dort in Krems zeigt der junge Leonard Cernko nicht nur seinem Chef Toni Mörwald, wie man ganz großes Kino auf Teller bringt.

Wer im Schloss Dürnstein nach dem Terrassendinner einen Ristretto verlangt, bekommt auch einen, der diesen Namen verdient. Aber wundern Sie sich nicht, wenn Sie dann wie ich noch in der Abenddämmerung vor Tatendrang doch lieber gleich und nicht erst morgen zur wunderbaren Burgruine über Dürnstein spurten.

Sollten Sie dann noch die imposant gelegene Burgruine Aggstein auf den Abend vorziehen, haben Sie definitiv eine Koffeinüberdosis. Die liegt doch einige Kilometer flussaufwärts. Der Ausblick von Aggstein auf die Wachau allerdings empfiehlt sich für Besuche bei Tageslicht. Nachts stehen Sie bei diesem alten Gemäuer ohnehin vor verschlossenen Türen. (Harald Fidler, Der Standard, Printausgabe 12./13.8.2006)