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Robbie Williams, hier im Puskas Ferenc Stadion in Budapest

Foto: AP /MTI/ Mate Nandorfi
Als sich in den 1990ern abseits der diesbezüglich immer noch in ihrer eigenen Liga spielenden Madonna das Modell Superstar beinahe überlebt hatte, tauchte ein schlecht tätowierter britischer Proll auf der Bildfläche auf und ging daran, den Begriff Superstar neu zu deuten. Sein Name war Robbie Williams.

Nachdem der als Robert Peter Williams in der Nähe von Manchester geborene Sänger von Take That die bis heute erfolgreichste Castingband, unter anderem wegen seiner Drogenprobleme, verlassen musste, begann dieser eine Solokarriere, wie man sie noch nicht gesehen hatte.

Als exaltierter Selbstdarsteller setzte er alles daran, das keimfreie Posterboy-Image, das er als Boygroup-Mitglied eigentlich hätte pflegen sollen, abzuschütteln. Das ausschweifende Partyleben des einstigen Klassenkasperls oh-ne richtigen Schulabschluss führte Mitte 1997 schließlich zu einem Zusammenbruch. Zur Drogensucht gesellten sich Depressionen, wie man unter anderem in der vor zwei Jahren erschienenen Biografie Feel nachlesen kann.

Im selben Jahr erschien die Single Angels - von seinem Debüt Life Thru A Lense - die gemeinhin als Beginn seiner Solokarriere gilt. Von da an ging es steil nach oben.

Im Verein mit Songwriter Guy Chambers gelang dem am 13. Februar 1974 Geborenen eine Reihe von Hits, die ihn in Europa, Asien und Südamerika zum Superstar machten. Auf dem US-amerikanischen Markt beißt er sich bis heute die Zähne aus - etwas, das Williams in seiner Entscheidung bestärkte, seinen Hauptwohnsitz nach Los Angeles zu verlegen, wo er ein relativ ruhiges Leben führen kann. Es gibt da die Anekdote, nach der seine Putzfrau ihn eines Tages gefragt haben soll, was er eigentlich beruflich mache. Williams soll ihr dann seine Live-DVD vorgespielt haben, wor-aufhin diese nach wenigen Minuten höflicher Anteilnahme wenig beeindruckt weitergearbeitet haben soll.

Seiner Plattenfirma EMI hingegen bereitet die bis heute anhaltende US-Ignoranz für den mit angeblich rund 130 Millionen Euro eingekauften Sänger naturgemäß Kopfschmerzen. Einerseits. Andererseits bricht die Marke Williams auch ohne diesen Markt etliche Rekorde. Für seine laufende Tour, bei der Williams bekanntlich morgen, Freitag, und übermorgen, Samstag, im Wiener Ernst-Happel-Stadion auftritt, verkaufte er innerhalb eines einzigen Tages 1,6 Millionen Tickets. Dafür zeigt der Mädchenschwarm seinem Publikum aber auch seinen Popo.

Abseits der Bühne hat der immer wieder ledige Sänger heuer Aktien seines heimischen Fußballclubs FC Port Vale gekauft, den er in die zweite britische Liga zurückführen möchte. Ebenfalls auf seiner Wunschliste: endlich den Führerschein zu machen! Dann macht der private Fuhrpark gleich viel mehr Sinn. (Karl Fluch / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.8.2006)