Wien - Als "rassistische Hetzerei" hat der österreichische Filmregisseur Hubert Sauper einen Bericht der "Kronen Zeitung" vom Donnerstag über die Proteste gegen seinen Film "Darwin's Nightmare" in Tansania kritisiert. In dem Artikel heißt es, auf Sauper sei im ostafrikanischen Land "ein Killer-Kommando" angesetzt worden und er gelte als "Staatsfeind Nummer 1". Dies sei "unterstes Niveau", sagte Sauper am Donnerstag in der Früh. Mit Blick auf die ihm zugeschriebenen Zitate sprach er von einer "erfundenen Geschichte".

Der Regisseur zog in diesem Zusammenhang eine Parallele zur Lage in Tansania. "Der Grund für die Aufregung sind nur dumme Pressemeldungen, und jetzt passiert bei uns das gleiche, nur in die andere Richtung", so Sauper. Er warf der Kronen Zeitung vor, das Bild von "Afrikanern, die unseren Kärntner Regisseur umbringen wollen", zu vermitteln.

Unterredung in Sansibar?

Der in Paris lebende Filmemacher kündigte an, trotz des Aufruhrs nach Tansania reisen zu wollen. Er wolle dort "die Sachverhalte diskutieren". Im Juni findet im tansanischen Sansibar ein Filmfestival statt, bei dem er gerne mit "Darwin's Nightmare" ins Rennen ginge. "Wenn ich eine Einladung erhalte, fahre ich hin." In den vergangenen zwei Jahren seien seine Bewerbungen aber abgelehnt worden, der Film wurde in Tansania bisher offiziell nicht gezeigt. Dass die tansanischen Behörden möglicherweise juristisch gegen ihn vorgehen könnten, "kostet mich einen Lacher". Es gebe nämlich "nichts in dem Film, was nicht belegbar ist".

Die Proteste gegen den Film bezeichnete Sauper als "großes Missverständnis". Viele Menschen, die ihn kritisierten, hätten "Darwin's Nightmare" gar nicht gesehen. So sei in dem Dokumentarfilm nicht die Rede von Tansania als Drehscheibe des Waffenhandels, es gehe vielmehr um die allgemeine Lage am Viktoriasee. Die Kontroversen um seinen Film kann Sauper verstehen, schließlich handle es sich um einen politischen Film, "der nicht für den Konsensus, sondern für die politische Auseinandersetzung gemacht" worden sei. Er habe aber jetzt Alarm geschlagen, weil wegen des Films "Leute verhaftet" worden seien.

Involviertes Außenamt

"Sehr zufrieden" zeigte sich Sauper mit der Reaktion des Außenministeriums auf seinen öffentlichen Aufschrei wegen Repressalien gegen Mitwirkende des Films in Tansania. Er glaube, dass die offizielle diplomatische Reaktion Österreichs gegenüber Tansania wirke. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass in dem Klima noch jemand zu Schaden kommen kann." Wie Sprecher Georg Schnetzer mitteilte, sei man bemüht, die Vorwürfe zu verifizieren. Da keine Botschaften im jeweils anderen Land eingerichtet sind, wurden die zuständige Vertretung in Nairobi sowie jene in Berlin, wo der afrikanische Staat diplomatisch vertreten ist, eingeschalten. Sie sollen von den Behörden Tansanias entsprechende Aufklärung verlangen. Auch die finnische EU-Präsidentschaft wurde um Unterstützung ersucht.

Sauper hatte vergangenen Donnerstag davon informiert, dass laut einer Resolution des tansanischen Parlaments alle Mitwirkenden an seinem Dokumentarfilm als Staatsfeinde bestraft werden sollen. In einer von Polizei und Behörden unterstützten Demonstration sei das Blut des Journalisten gefordert worden. Die Regierung behaupte unter anderem, sein Film sei schuld an Einbrüchen im Fischhandel. "Darwin's Nightmare" macht am Beispiel der Fischindustrie am Viktoriasee die komplexen Zusammenhänge von Globalisierung und Waffenhandel mit der Verelendung Afrikas anschaulich. (APA)