Bild nicht mehr verfügbar.

Volen Siderov, Chef der ultranationalistischen Ataka

Foto: Reuters/Nenov
Im Gespräch mit Adelheid Wölfl meint er, dass Österreich bulgarische Roma aufnehmen sollte, und gibt zu, dass er sich verfolgt fühlt.

*****

STANDARD: In Brüssel ist man unsicher, ob Bulgarien auf den EU-Beitritt vorbereitet ist. Sie meinen, dass man zu viele Kompromisse einging.

Siderov: Insgesamt geben wir viel mehr, als wir erhalten werden. Bei einem Beitritt 2007 würden wir nur 25 Prozent der Subventionen erhalten, die andere EU-Länder bekommen haben. Wir könnten auch praktisch die ganze Balkanhalbinsel mit Strom beliefern. Dagegen werden nun vier Blöcke unseres Atomkraftwerks stillgelegt.

STANDARD: Wäre es dann besser, nicht der EU beizutreten?

Siderov: Es wäre besser wenn Bulgarien beitritt, aber das Atomkraftwerk nicht geschlossen wird. Ich weiß, dass es in Österreich eine sehr starke Antiatom-Lobby gibt. Vielleicht besteht ja auch ein gewisser Neid, dass Österreich kein Atomkraftwerk hat und Bulgarien ein völlig sicheres.

STANDARD: Sie wollen mit rechten Parteien wie der FPÖ im Europaparlament eine Fraktion stellen. Welche Ideen teilen die FPÖ und ihre Partei Ataka?

Siderov: Wir teilen die negative Einstellung zu einer EU-Mitgliedschaft der Türkei und sind gegen unkontrollierte Immigration. Die jungen Bulgaren sollen in Bulgarien bleiben und nicht für fremde Firmen, fremde Wirtschaften arbeiten.

STANDARD: Was ist ihr politisches Ziel in Bulgarien?

Siderov: Unser Ehrgeiz ist eine Regierungsbeteiligung. Die Idee ist, dass wir die türkische Partei für Rechte und Freiheiten beseitigen, von der Macht ausschließen. Ihre Handlungen sind wie bei der echten Mafia aufgebaut. Dabei kommt es zu einer Diskriminierung der bulgarischen Staatsbürger in Gebieten, die als gemischt bezeichnet werden. Bulgaren, die kein Türkisch sprechen und sich nicht zum Islam bekennen, bekommen dort keine Arbeit oder werden entlassen.

STANDARD: Die Roma in dem Sofioter Viertel Fakulteta sagen, dass seit dem Wahlerfolg der Ataka die Spannungen zunehmen. Fühlen Sie sich dafür verantwortlich?

Siderov: Das stimmt nicht, ich weiß nicht, mit welchen Leuten Sie geredet haben und welche Idee Sie nach Fakulteta gebracht hat. Ich gehe davon aus, dass Organisationen wie das Open Society Institute und Helsinki Committee Sie dorthin bringen. Die Probleme mit der Kriminalität der Roma bestehen seit zehn Jahren, lange bevor Ataka aufgetaucht ist. Wir sind gegen diese kollektive Verantwortungslosigkeit. Wenn in Österreich ganze Viertel keinen Strom zahlen, würde wohl kaum ein österreichischer Journalist dort hingehen und diese Leute verteidigen. Aber in Bulgarien gehen Sie sehr gerne in das Viertel Fakulteta und hören sich dort Lügen an. Gewöhnlich schlage ich Vertretern ausländischer Staaten folgende konstruktive Idee vor: Nehmen Sie 100.000 bulgarische Zigeuner und integrieren Sie sie in Österreich.

STANDARD: Ihre parlamentarische Immunität wurde aufgehoben. Werden Sie trotzdem bei den Präsidentschaftswahlen antreten?

Siderov: Sind Sie einverstanden, diese Zigeuner aufzunehmen?

STANDARD: Der Vorwurf ist, dass Sie jemanden zu einer falschen Zeugenaussage aufforderten.

Siderov: Sie haben meine Frage nicht beantwortet und ich werde Ihre Frage dann auch nicht beantworten. Sie haben verzerrte Informationen über mich erhalten. Ich möchte Sie deshalb bitten, dieses Interview nicht zu veröffentlichen. Ich brauche auch Antworten, um dieses Interview weiterführen zu können.

STANDARD: Bei Interviews fragt der Journalist, der Politiker antwortet und nicht umgekehrt.

Siderov: Ich bin ziemlich lange Journalist gewesen, also könnten wir die Rollen tauschen.

STANDARD: Sie können das Interview autorisieren.

Siderov: Unbedingt. Ich habe bereits Zweifel genug, dass dieses Interview auf Bestellung ist und das Ziel hat mich in einem negativen Licht zu zeigen. Wenn das geschehen würde, würde ich auch gerichtlich dagegen vorgehen. Bisher habe ich keine österreichische Zeitung verklagt, das wird ziemlich interessant werden.

STANDARD: Was sagen Sie zur Aufhebung Ihrer Immunität?

Siderov: Das ist eine politische Intrige, getätigt durch den Innenminister, der sich prinzipiell wie ein Gangster verhält.

STANDARD: Fühlen Sie sich verfolgt?

Siderov: Ja. Denn es gab auch Drohungen gegen mich und Angaben, wonach der Innenminister Vertreter der Sicherheitsdienste anordnet, mich zu beschatten und zu belau_schen. Wir sind diesen Repressalien ausgesetzt, weil wir die Pläne der politischen Oligarchie durcheinandergebracht haben. (DER STANDARD, Printausgabe, 18.8.2006)