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Foto: AP/Knoth
Berlin - Die Großhandelspreise für Strom haben weiter angezogen und signalisieren weitere Verteuerungen für die privaten Haushalte. Die Preise an der Leipziger Strombörse EEX stiegen im ersten Halbjahr 2006 um rund 37 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, teilte der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) am Freitag in Berlin mit. Durchschnittlich waren damit in den ersten 6 Monaten 54,62 Euro pro 1.000 Kilowattstunden (kWh) zu zahlen, im Jahr 2005 waren es im Schnitt 39,86 Euro.

Ähnliche Entwicklungen hätten sich an den übrigen Börsen europaweit gezeigt. "Die Strombörsen spiegeln unter anderem die Erwartungen der Marktteilnehmer, dass der weltweit wachsende Energiebedarf die europäischen Strompreise nach oben treiben wird", erläuterte VDEW-Hauptgeschäftsführer Eberhard Meller. Die genannten Börsenpreise betreffen Stromlieferungen des Jahres 2007. An der Börse könne aber auch Strom mit Lieferung bis ins Jahr 2012 gehandelt werden, so Meller. Der Preisvergleich des ersten Halbjahres 2006 zum gesamten Jahr 2005 dient nach Verbandsangaben der Glättung stark schwankender Börsenpreise und soll den Trend besser verdeutlichen.

Der Großhandelspreis spiegle zu einem Drittel die Kosten für den Stromtransport, zu 25 Prozent den direkten Strompreis für Haushalte und zu 40 Prozent Steuern und Abgaben wie den Obulus der Verbraucher für erneuerbare Energien in Deutschland wider. Hinzu komme von 2007 an die Erhöhung der Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent in Deutschland.

Richtwerte für die Branche

"Die an der Strombörse EEX erzielten Preise gelten inzwischen als Richtwerte für die gesamte Branche", betonte Meller. Mit ihrer stetig gewachsenen Liquidität sei die EEX zum Maßstab für den Stromgroßhandel in Deutschland geworden. Auch für den österreichischen Markt sind die Großhandelspreise der EEX relevant. "2005 wurden rund 17 Prozent des deutschen Stromverbrauchs physisch am Spotmarkt der Strombörse in Leipzig gehandelt."

Grundsätzlich haben die Großhandelspreise laut VDEW aber keine kurzfristigen Auswirkungen auf die Strompreise für Haushaltskunden. Der Strommarkt funktioniere nicht von heute auf morgen. "Die meisten Stromunternehmen beschaffen den Strom langfristig, insbesondere um sich und ihre Kunden gegen kurzfristige Preissprünge abzusichern", betonte Meller.

In Deutschland wollen einige Unternehmen die Strompreise per 1. Jänner anheben. So planen beispielsweise die RWE, in Österreich mit rund einem Drittel an der Kärntner Kelag beteiligt, und die E.ON einen Strompreisantrag. Die Erhöhungen sollen laut Presseberichten zwischen 6 und 7,5 Prozent liegen. Vattenfall Europe und EnBW, in Österreich nach dem Land Niederösterreich zweitgrößter Aktionär bei der EVN, haben keinen Antrag eingebracht. Die deutsche Regulierungsbehörde, die Bundesnetzagentur, hat Senkungen der Netztarife verordnet.

Vattenfall werde die erwarteten Kürzungen bei den Netzentgelten über Preissenkungen an die Kunden weitergeben und zum Jahreswechsel lediglich die Mehrwertsteuererhöhung auf die derzeit geltenden Tarife aufschlagen, so ein Unternehmenssprecher. Auf weitere Strompreisanpassungen werde der Konzern verzichten. Strompreiserhöhungen kämen für das Unternehmen frühestens ab dem 1. Juli 2007 wieder in Betracht. Ab dann entfällt für Strompreiserhöhungen bei den Haushalts- und Gewerbekunden die Genehmigungspflicht, so dass die Unternehmen in ihrer Preispolitik dann weitgehend frei sind. Allerdings unterliegen die Unternehmen auch danach der Aufsicht durch die Kartellbehörden des Bundes der Länder. (APA/dpa/AP/Reuters)