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Wien – Einerseits sind die heimischen Trafikanten mit dem Geschäft zufrieden: "Wir werden heuer voraussichtlich 14 Milliarden Stück Zigaretten verkaufen, nach 13 Milliarden im vorigen Jahr", sagte der Sprecher der knapp 8000 Tabakverschleißer, Peter Trinkl, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Und trotz Einfrierens des Preisniveaus durch die (EU-rechtlich umstrittene) Mindestpreisregelung stagniere die Schmuggeltätigkeit bei einem Wert von 18 Prozent der Gesamtmenge, behaupten die Trafikanten.

Private Hilfe

Dies alles hindert die Branche jedoch nicht, sich im Kampf gegen illegale Rauchware nicht mehr ausschließlich auf Polizei und Zollbehörden zu verlassen. Seit 1. Juli ist die Bachler & Partners Crisis and Security Consulting GmbH, beauftragt, Informationen zu sammeln, die Trafikanten über Handel mit Grau- bis Schwarzware aufschnappen.

Die Firma wird geleitet von Wolfgang Bachler, dem früheren Chef der Gendarmerie-Sondereinheit Cobra. Die von Bachlers Agentur gesammelte Information wird an die Behörden weitergegeben, so Trinkl. Derzeit sei man noch "am Sammeln". Gegen den Vorwurf, man würde nachbarliche Vernaderung fördern, verwehren sich die Trafikanten. Zu dieser "Schmuggelhotline" hätte der gemeine Raucher keinen Zugang, so Trinkl. Jedoch könne auch er nicht verhindern, wenn Raucher ihren Trafikanten "etwas berichten". Trinkl: "Schmuggel ist kein Kavaliersdelikt, wenn alle immer wegsehen, können wir zusperren." Bezahlt werde Bachler von der Wirtschaftskammer (Honorar: ca. 500 Euro pro Monat).

Tabakmonopolgesetz

Im September feiert die Branche das Zehn-Jahres-Jubiläum des neuen Tabakmonopolgesetzes. Dieses zu erlassen war eine Folge des EU-Beitritts. Die alten, im Grunde von Habsburger-Kaiser Joseph II. begründeten Monopole für die Produktion und den Großhandel waren nicht zu halten, jenes für den Einzelhandel sehr wohl. Die "soziale Komponente" sei ein Grund dafür, sagt Michael Svoboda, Präsident des Kriegsopfer- und Behindertenverbandes. Im Gesetz ist verankert, dass Behinderte bei der Verleihung der Trafikenbewilligungen bevorzugt werden müssen. Der Anteil der Betreiber mit Behinderungen steige stetig.

Weniger Trafiken

Die Zahl der Trafiken hingegen sei sukzessive gesunken, was demografische Gründe habe. Aus jenen Gegenden, aus denen Menschen abwandern, wanderten auch Trafik_lizenzen ab. Heute gibt es in Österreich rund 8000 Stellen, an denen Zigaretten zum geregelten Preis verkauft werden dürfen, 3000 davon sind Tabakfachgeschäfte, die anderen sind Gastronomie- oder Supermarktbetriebe. Die Zahl der Trafiken will die Monopolverwaltung nunmehr konstant halten. (Szemeliker Leo, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.8.2006)