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In diesem Wagen wurde Natascha Kampusch am 2. März 1998 entführt.

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Wien - Natascha Kampusch nutzte das Staubsaugen im Garten, um vor ihrem Entführer zu flüchten. Die junge Frau konnte fliehen, während sie das im Garten abgestellte Auto des Mannes aussaugte. "Wegen des Lärms hat sich der Verdächtige einige Meter entfernt, um ein Telefongespräch zu führen. Natascha hat die Situation erkannt und ist aus dem Garten geflohen", sagte Generalmajor Gerhard Lang vom Bundeskriminalamt. Zumindest in letzter Zeit dürfte sie häufiger Haus- und Gartenarbeiten für ihren Entführer durchgeführt haben.

Koch bestätigte, dass sich P. offenbar immer wieder längere Zeit - "ein paar Stunden, ein, zwei Tage" - vom Haus entfernt hatte. Natascha Kampusch habe währenddessen in ihrem Verlies in der Garage ausgeharrt.

Mittäterschaft nicht ausgeschlossen

"Weder ein- noch ausgeschlossen" ist laut den Kriminalisten der Sonderkommission Natascha, dass der 44-jährige Wolfgang P. bei der Entführung der damals zehnjährigen Schülerin am 2. März 1998 einen Komplizen oder seither womöglich Mitwisser gehabt haben könnte.

"Es geht ihr gut"

Über den Zustand des Entführungsopfers sagte SOKO-Chef Nikolaus Koch: "Zur Zeit geht es ihr gut." Natascha habe die angebotene Betreuung angenommen und werde von einem Psychologenteam um Kinderpsychiater Max Friedrich sowie Opferschutzexperten umsorgt. Sie sei durchaus in der Lage, "über sich selbst zu entscheiden".

Am Donnerstag sei mit der Befragung der 18-Jährigen begonnen worden. "Das ist für sie ein belastender Vorgang", sagte Zwettler. Von ärztlicher und psychologischer Seite sei eine Unterbrechung bis mindestens Montag angeraten worden. Natascha wird von einem Psychologen und einem Arzt betreut, sofern sie es wünscht, können sie ihre Mutter, ihr Vater und eine Halbschwester jederzeit besuchen.

Ermittlungen in Strasshof

Derzeit konzentrierten sich die Ermittlungen auf den Tatort in Strasshof. Mehr als ein Dutzend Beamte sichern Spuren, in Nataschas winzigem Verlies kann sich nur jeweils ein Kriminalist aufhalten. Umbauten in der Garage fanden laut Koch schon Anfang und Mitte der neunziger Jahre statt. "Ob das damals schon so ausgesehen hat wie jetzt, wissen wir nicht." P. sei ein Heimwerker gewesen, der Kellerausbau im ehemaligen Haus seiner Großeltern wegen des großen Bauvolumens wohl nicht so leicht zu bewältigen gewesen. Auch der weiße Kastenwagen Baujahr 1993 wird auf Spuren untersucht, auch hinsichtlich der möglichen Beteiligung eines zweiten Täters.

Angaben zum Umgang des Verdächtigen mit seinem Opfer oder zu ihrem Tagesablauf in Gefangenschaft - Natascha Kampusch hatte sich unmittelbar nach ihrem Wiederauftauchen einer jungen Polizistin anvertraut - müssten erst überprüft werden, wurde allgemein betont.

Noch sei völlig unklar, ob Wolfgang P. die damals Zehnjährige gezielt als Opfer ausgesucht hat. In vergleichbaren Fällen gehe es den Tätern meist um Machtausübung und ein sexuelles Motiv, sagte Zwettler. "Ob das auch hier zutrifft, muss sich erst herausstellen." Der Computer des Mannes wird derzeit noch ausgewertet.

Die DNA-Untersuchung durch die Wiener Gerichtsmedizin hat die Identität der jungen Frau unterdessen zweifelsfrei bestätigt. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein zweiter Mensch das gleiche DNA-Profil aufweist, liegt demnach bei 1:23 Milliarden. (APA)