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WU-Rektor Badelt präsentiert einen Katalog mit Forderungen der Rektorenkonferenz an die kommende Regierung vor.

APA/Roland Schlager
Wien - Die Rektorenkonferenz (ÖRK) hat eine Liste bildungs- und wissenschaftspolitischer Themen erstellt, die nach ihren Wünschen von der nächsten Regierung abgearbeitet werden müsse. Eine der zentralen Forderungen darauf: die Einführung der Studienplatzbewirtschaftung. Außerdem fordern die Uni-Chefs unter anderem eine Steigerung des Anteils der Ausgaben für den tertiären Bildungssektor auf zwei Prozent des BIP bis 2015, die Einführung eines Teilzeit-Studiums und Professionalitätskriterien für Universitätsräte, betonten ÖRK-Präsident Christoph Badelt und sein Vize Manfried Gantner Montag Abend vor Journalisten in Wien.

Studie zum Thema Hochschulzugang

In einem studienplatzfinanzierten System stehen bestimmte Kontingente an staatlich finanzierten Studienplätzen bereit, die zwischen Uni und Regierung ausverhandelt sind. Ein ähnliches Modell gibt es derzeit an den Fachhochschulen. Eine Diskussion darüber will die ÖRK durch eine im Herbst vorliegende Studie zum Thema Hochschulzugang in Gang bringen. Im Verhältnis zu den Fachhochschulen verlangte Gantner "gleich lange Spieße": Es könne nicht sein, dass sich diese ihre Studenten aussuchen dürften und die Unis nicht.

Mehr Investitionen

Finanziell wünschen sich die Rektoren für die Erreichung einer tertiären Bildungsquote von zwei Prozent des BIP bis 2015 (derzeit 1,13 Prozent bzw. rund drei Mrd. Euro; zum Vergleich: USA ca. 2,6 Prozent, Schweden und Finnland ca. 1,7 Prozent) die entsprechenden steuerlichen Rahmenbedingungen. So könnte etwa eine KESt-begünstigte Uni-Anleihe aufgelegt werden, meinte Gantner. Allerdings müsse auch der Staat mehr investieren, meinte Badelt. Vor allem in den Naturwissenschaften und der Technik sei die Ausstattung auf Grund mangelnder Investitionen in den vergangenen zehn bis 20 Jahren veraltet.

Teilzeitstudium für Berufstätige

Für Studenten verlangen die Rektoren die Einführung eines Teilzeit-Studiums zum Beispiel für Berufstätige. Wer deklariert auf Grund einer Berufstätigkeit nur in halbem Tempo studiert, würde so nur die halben Studiengebühren zahlen und offiziell nur ein Semester pro Studienjahr angerechnet bekommen. So könne man auch zu einer "echteren" Darstellung der Studienzeiten kommen. Möglich wäre es dann auch, einen Studienplatz auf zwei Studenten aufzuteilen.

In der Frage der Studiengebühren haben die Rektoren gesellschaftspolitisch keine einheitliche Position. Aus finanzieller Sicht ist man sich aber einig: Fallen sie weg, müssen den Unis die Einnahmen daraus ersetzt werden.

Mit Unigesetz grundsätzlich zufrieden

Mit dem Universitätsgesetz (UG) sind die Rektoren grundsätzlich zufrieden. Nötig wären aber "punktuelle Weiterentwicklungen", so Badelt: Änderungen wünscht er sich etwa im Berufungsverfahren und bei den Universitätsräten. Für letztere soll es Qualifikationserfordernisse geben. Nicht zufrieden sind die Rektoren auch mit der Entwicklung im restlichen tertiären Sektor: Derzeit werde der Uni-Begriff "inflationalisiert" und ad absurdum geführt, meinte Badelt. Dies betreffe etwa den Privatuni-Bereich oder das unübersichtliche Lehrgangswesen.

Bei den "schleppenden" Verhandlungen über ein neues Dienstrecht zeigten sich die Rektoren nicht allzu weit entfernt von der Gewerkschaft. Es sei nicht sinnvoll, dass Habilitierte keine Chance auf eine Professur haben: "Da muss etwas passieren", so Badelt. Derzeit hätten die Unis keine Möglichkeit, ausgezeichnete Habilitierte einfach zu befördern - vielmehr müssten sie eine Professur ausschreiben, für die man sich bewerben müsse.

Verhältnis zu BIG klären

Nach den 500 Mio. Euro für die Generalsanierung besonders problematischer Uni-Gebäude müsse außerdem nun auch eine "Liste B" mit weiteren 200 Gebäuden angegangen werden, so Gantner. Diese seien zwar nicht komplett sanierungsbedürftig, trotzdem würden derzeit behördliche Auflagen etwa beim Brand- oder Arbeitnehmerschutz nicht erfüllt. Auch das Verhältnis zur BIG müsse geklärt werden. Dies betreffe einerseits die Frage, wer welche Verpflichtungen zu tragen habe, andererseits auch die Möglichkeit, dass die Unis Eigentümer ihrer Liegenschaften werden.: "Wir haben sehr heruntergekommene Gebäude übernommen vom Eigentümer BIG", so Gantner. Das von dieser mit den Unis erwirtschaftete Geld müsse auch in diesem Bereich wieder eingesetzt werden. (APA)