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Ausgebranntes Auto nach Bombenanschlag in Bagdad.

Foto: Reuters/MOHAMMED AMEEN
Abu Dhabi/Bagdad - Bei einer Konferenz in Abu Dhabi haben irakische Regierungsvertreter am Sonntag um wirtschaftliche und politische Hilfe für ihr Land geworben. Der stellvertretende Ministerpräsident Barham Saleh sagte, internationale Unterstützung sei entscheidend für eine Versöhnung unter verfeindeten Gruppen im Irak. An der eintägigen Konferenz in den Vereinigten Arabischen Emiraten nahmen offizielle Vertreter aus Europa, den USA, UNO, Weltbank, Internationalem Währungsfonds, Japan, Korea und arabischen Nachbarstaaten teil.

Bislang wenig Wirkung

Der stellvertretende UNO-Generalsekretär Mark Malloch-Brown sagte, die Anstrengungen zur Schaffung demokratischer Institutionen hätten bislang wenig Wirkung gezeigt. Nach der Annahme einer Verfassung, Wahlen und der Bildung einer demokratischen Regierung sei die Gewalt immer noch auf dem Vormarsch. Normale Iraker hätten kein Vertrauen in ihre Zukunft. Die internationale Gemeinschaft müsse die irakische Regierung dabei unterstützen, radikale Reformen durchzuführen, forderte Malloch-Brown.

Wegen eines Boykotts zweier großer sunnitischer Blöcke wurde eine Sitzung des irakischen Parlaments am Sonntag gleich zu Beginn abgebrochen. Hintergrund war ein Streit über einen Gesetzentwurf, der ein föderales System mit einer autonomen Region im schiitischen Süden des Iraks vorsieht. Sunnitische Gruppen sehen darin einen Versuch, den Staat zu zerschlagen.

Pilgerfest in Kerbala

Zum Geburtstag eines schiitischen Religionsführers aus dem neunten Jahrhundert versammelten sich am Samstag in der Stadt Kerbala rund vier Millionen Menschen. Die Streitkräfte und die Polizei waren mit einem massiven Aufgebot vor Ort, um Selbstmordanschlägen vorzubeugen. Die Gläubigen zündeten zum Fest des Imams Al Mahdi al Muntadhar unzählige Kerzen an, die die für Schiiten heilige Stadt schon in der Nacht erleuchteten. Kerbala war seit der US-Invasion im März 2003 wiederholt Ziel von Anschlägen sunnitischer Extremisten im Irak. Auf dem Weg in die rund 80 Kilometer südlich von Bagdad gelegene Stadt wurden schiitische Pilger in den vergangenen Tagen wiederholt überfallen.

Gewalt hält an

Die Gewalt hielt auch am Wochenende an. Bei einer Bombenexplosion in einem belebten Geschäftsviertel von Bagdad wurden am Sonntag nach Polizeiangaben fünf Menschen getötet und 17 verletzt. Wenig später kam bei der Explosion einer Autobombe ein Polizist ums Leben, fünf Polizisten und zwei Zivilpersonen wurden verletzt. Südlich von Bagdad wurden sechs gefesselte Leichen entdeckt.

Im Bagdader Stadtteil Dora wurden am späten Freitagabend Mörser auf Wohnhäuser von Schiiten abgeschossen. Dabei wurden nach Polizeiangaben fünf Menschen getötet und neun verwundet. Bei der Explosion einer Autobombe nahe eines amerikanischen Militärkonvois in Bagdad kamen mindestens zwei Passanten ums Leben. Im Zentrum der Hauptstadt erschossen Bewaffnete einen technischen Mitarbeiter der Regierungszeitung "Al Sabah". Bei weiteren Anschlägen in Bagdad gab es mindestens zwei Tote und mehrere Verletzte.

Bomben in Kirkuk

In der nordirakischen Stadt Kirkuk wurden vier Menschen von zwei detonierenden Bomben am Straßenrand in den Tod gerissen, 16 weitere wurden verletzt. Der irakische Vizepräsident Tarik al Hashimi rief die Aufständischen dazu auf, die Waffen niederzulegen und sich am politischen Prozess zu beteiligen. Al Hashimi vertritt die Sunniten in der von Schiiten dominierten Staatsführung. (APA/AP)