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Das Schladming-Projekt analysiert Folgen des trotz Schneekanonen dahinschmelzenden Wintertourismus.

Foto: APA/EPA/Karl-Josef Hildenbrand
Wie können wir die Zusammenhänge der Gesellschaft und der Natur vorsorgend in den Blick nehmen? Wie können wir auf Klimawandel und Raumentwicklung Einfluss nehmen? Welche Lebenschancen bieten sich, wenn die Entwicklung fortschreitet wie bisher? Das sind einige der leitenden Fragen des vom Wissenschaftsministerium ausgeschriebenen Forschungsprogramms "proVISION. Vorsorge für Natur und Gesellschaft", das 2004 gestartet wurde, auf zehn Jahre angelegt ist und vom Umweltbundesamt abgewickelt wird.

proVISION wurde von Beginn an als "lernendes Forschungsprogramm" konzipiert, Erfahrungen aus der ersten Programmphase sollen in die zweite ab 2007 einfließen. In jeder Weise anspruchsvoll sind die methodischen Ansprüche des Programms: Die proVISION-Projekte sollen sowohl transdisziplinär sein und international konkurrenzfähig sein. Sie sollen zugleich die Wissenschaft sehr eng mit der Praxis verbinden - und das alles rund um das nicht ganz einfach erforsch- und kommunizierbare Thema Nachhaltigkeit bzw. Vorsorge.

Im Schladming-Projekt von Ulrike Pröbstl und ihrem Team geschieht das. Zum einen wird sowohl mit Meteorologen und Meinungsforschern kooperiert. Und zum anderen werden - noch lange bevor dort dem Wintertourismus womöglich in den nächsten Jahrzehnten trotz Schneekanonen die weiße Grundlage davonschmilzt - jetzt schon mit den betroffenen Akteuren Handlungsalternativen diskutiert und Auswege aus der möglichen Schneekrise gesucht.

Ähnlich ist das Projekt "Zwei Täler - zwei Geschichten" der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik angelegt, das ebenfalls im Rahmen des proVISION-Subthemas "Risiko, Unsicherheit, Ungewissheit" gefördert wird. Nur geht es dabei nicht um einen Ort, sondern um die beiden benachbarten Täler von Rauris und Mölltal-Fragant, die in Zukunft vor der Herausforderung stehen, die künftigen Nutzung des Naturraumpotenzials an die möglichen Auswirkungen der Erwärmung anzupassen.

So wichtig nachhaltige Entwicklung ist, so schwer ist sie zu kommunizieren. Die medialen Einlasskriterien wie Aktualität und Erzählbarkeit fehlen diesem auf Langfristigkeit angelegten Konzept. Um ein breites Publikum zu erreichen, wurde in Deutschland gar schon angeregt eine "Ökosoap" zu produzieren. Ein proVISION-Projekt unter der Leitung von Markus Arnold (IFF/Universität Klagenfurt) fragt daher "Welche Wissenschaftskommunikation braucht der Dialog mit der Gesellschaft?"

An Fallbeispielen wie der Jahrhundertflut von 2002 und nachhaltiger Ernährung soll mittels Medienanalyse untersucht werden, wie über Nachhaltigkeit in Österreich kommuniziert wird. In einem zweiten Schritt soll im Dialog sowohl mit Journalisten wie auch mit Wissenschaftern, die zu Nachhaltigkeit forschen, neue "Erzählungen" entwickelt werden, die das Publikum auch erreichen. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 13. September 2006)