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Foto: APA/dpa/Werner Baum
Wien - Am Ende dieses Jahrhunderts wird es durchschnittlich um vier bis fünf Grad wärmer sein. So lautet die Prognose von Herbert Formayer, Klimaforscher am Institut für Meteorologie der Wiener Universität für Bodenkultur (Boku). Über die daraus folgenden Auswirkungen auf die Natur gibt es immer wieder unterschiedliche Expertisen, in Frankreich wurde erst kürzlich vom Aussterben traditionelle Weine durch die Klimaveränderung gewarnt.

Wie sich die Erderwärmung auf Österreichs Weine auswirkt, darüber sind sich die Experten an der Boku uneinig. Prinzipiell seien Änderungen im Anbau durch die immer häufigeren Wetterkapriolen aber unabwendbar.

Charakteristika ändern sich

Die steigenden Temperaturen verändern laut Formayer "die Charakteristika des Weines, vor allem das Verhältnis von Zucker und Säure". Mehr als zwei Jahre hat er im Rahmen eines Forschungsprojekt im Weinviertel die Auswirkungen des Klimas auf die Qualität des Weines studiert. Die steigenden Temperaturen bieten für ihn aber in erster Linie eine Chance: "In Österreich findet der Weinbau nur bis zu 500 Meter Seehöhe statt, durch die Erderwärmung wird sich das Anbaugebiet weiter ausbreiten."

Nicht jeder Wein ist, so Formayer, für das veränderte Klima geeignet, "die Sortenzusammensetzung verändert sich in den nächsten 20 bis 30 Jahren sicherlich". Betroffen sei dabei in erster Linie aber der Weißwein, Rotwein ist vom warmen Klima eher begünstigt.

"Eine Weinsorte stirbt nur dann aus, wenn sie vom Konsumenten nicht mehr nachgefragt wird. Denn auch am Weinmarkt herrscht das Prinzip von Angebot und Nachfrage", kommentiert das Helmut Redl vom Wiener Institut für Pflanzenschutz. Von den Forschungsergebnissen hält er dementsprechend nicht viel: "Es gibt immer wieder Horrorszenarien wie zum Beispiel, dass der Weinbau in 50 Jahren nur mehr in Südschweden oder Grönland möglich ist." Dabei müsste man sich "aber immer wieder die Frage stellen, welches Datenmaterial zu welcher Jahreszeit ausgewertet wird".

Flexibler reagieren

Oft würden Forscher von Erträgen ausgehen, die heute nicht mehr relevant seien. Für Redl sind die Auswirkungen der Erderwärmung auf den Weinbau "nicht katastrophal, in Wirklichkeit wird der Wein immer besser und nicht schlechter". Extreme Wetterbedingungen, wie sie auch dieses Jahr wieder der Fall waren, sind "ein Faktum, die Winzer müssen flexibler werden und nicht nach 08/15-Maßnahmen reagieren", dann werde der Wein auch weiterhin gleich gut bleiben.

Für Anton Iby, Winzer und Obmann des Weinkomitees im Rotweingebiet Burgenland ist klar: "Wir sind es gewohnt, flexibel zu arbeiten. Im Jahr 1984 fiel der Erntetermin auf den 18. Oktober, 2003 auf den 4. September. Damals wie auch heute kein Problem." Sein Rotwein kann laut dem Winzer "durch das wärmere Klima nur gewinnen". Längerfristig wird der fruchtige Geschmack des Weins zwar leiden, andere Sorten will er deswegen aber nicht anpflanzen.

"Noch keine großen Veränderungen spürbar"

Auch Roman Pfaffl, sein Pendant aus dem Weinviertel ist nicht beunruhigt: "Wetterkapriolen hat es schon immer gegeben." Bei den in seinem Gebiet "typisch bodenständigen Weißweinsorten wie dem Veltliner sind noch keine großen Veränderungen spürbar". Die durchschnittlichen Alkoholwerte würden zwar jährlich steigen, was aber nicht nur auf die Klimaveränderung, sondern auch auf die bessere Qualität zurückzuführen ist.

Insgesamt verfügt Österreich über eine Weinanbaufläche von 48.000 Hektar, die größten Anbaugebiete sind Niederösterreich, Burgenland, Steiermark und Wien. Für das heurige Jahr wird laut Statistik Austria eine Ernte von 2,4 Mio. Hektoliter erwartet, ein Plus gegenüber dem schlechten Ergebnis im Vorjahr. Der am öftesten angebaute Wein ist der Veltliner. Pro Jahr werden in Österreich pro Kopf rund 30 Liter Wein getrunken, am liebsten Rotwein. (APA)