Washington/Wien - Evolution oder "intelligentes Design"? Weltweit wird anhaltend über die Wertigkeit der Theorien von Charles Darwin diskutiert. Ein Vergleich von repräsentativen Umfragen in den USA, Japan und 32 europäischen Staaten zu dieser Frage mit rund 35.000 Teilnehmern belegt: Auffallend wenig sind die Amerikaner von der Evolution des Universums und somit auch des Lebens auf der Erde überzeugt. Die Europäer sind da ganz anders. Österreich befindet sich im unteren Mittelfeld.

Nur 40 Prozent der US-Amerikaner akzeptieren Evolution

"Einer von drei Amerikanern weist das Konzept der Evolution strikt zurück. Das ist ein signifikant höherer Prozentsatz als in irgendeinem westeuropäischen Land", stellte der US-Wissenschafter Jon D. Miller von der Michigan State University (East Lansing) fest. In den USA akzeptieren die Evolution nur rund 40 Prozent der Erwachsenen. Gar nur 38 Prozent können sich mit der Tatsache anfreunden, dass der Mensch und der Schimpanse genetisch weitgehend ident sind.

Die Daten wurden am 11. August im US-Wissenschaftsmagazin "Science" veröffentlicht. Nur in der Türkei ist der Anteil der Darwin-Skeptiker unter den Erwachsenen mit rund 50 Prozent noch höher als in den Vereinigten Staaten. Dort glauben nur rund 25 Prozent dessen Theorien über die Entstehung der Arten etc.

Am meisten von der Richtigkeit der wissenschaftlichen Erkenntnisse Darwins überzeugt - mit je rund 80 Prozent - sind Isländer, die Dänen, Schweden und Franzosen. In Dänemark lehnen beispielsweise nur sieben Prozent der Erwachsenen die Evolutionstheorie rundweg ab. In Großbritannien sind es 15 Prozent.

Österreich im Mittelfeld

Österreich liegt mit Staaten wie Polen und Kroatien eher im unteren Mittelfeld: Knapp 60 Prozent der erwachsenen Bevölkerung sind von der Gültigkeit der Evolutionstheorie überzeugt. Etwa 25 Prozent halten sie aber laut der "Science"-Publikation für falsch.

Religiöse Einstellungen ausschlaggebend

Laut Miller, der an der Abteilung für Wissenschaftspädagogik der US-Universität arbeitet, sind vor allem religiöse Einstellungen die Motivation für die Ablehnung der Evolutionstheorie: "Der Effekt fundamentalistischen Glaubens auf die Akzeptanz der Evolution ist in den USA doppelt so stark wie anderswo. Das deutet darauf hin, dass jemand, der stark an einen persönlichen Gott glaubt und oft betet, signifikant seltener die Evolution für 'wahrscheinlich' oder 'auf jeden Fall wahr' hält als Menschen mit weniger konservativem Glauben."

Hinzu käme in den USA, dass die Evolutionstheorie auch politisch diskutiert werde. Der Experte: "Es gibt in Europa und Japan keine größere politische Partei, welche die Ablehnung der Evolution als Teil ihres politischen Programms sieht. In den USA hingegen gibt es Leute, die glauben, die Ablehnung der Theorie bringe ihnen einen politischen Vorteil." (APA)