Die Turbulenzen um die Telecom Italia beschäftigen nun auf die italienische Justiz. Die römische Staatsanwaltschaft hat eine Ermittlung um den Fall Telecom, der zum Rücktritt des Konzernchefs Marco Tronchetti Provera und des Regierungsberaters, Angelo Rovati, geführt hat. Nach Angaben des Staatsanwalts Giovanni Ferrara wird sich die Untersuchung auch auf die Ergebnisse einer Ermittlung der Mailänder Börsenaufsichtsbehörde Consob über den Fall stützen. Bisher seien keine Ermittlungen gegen Personen aufgenommen worden.

Rücktritt

In diesem gespannten Klima hat der neue Telecom-Chef Guido Rossi am Montag sein Amt aufgenommen. Er hatte bereits im Jahr 1997 die Privatisierung des Unternehmens gesteuert. Rossi wird bald auch die Gewerkschaften des Unternehmens treffen müssen, die bereits einen Streik gegen die Umbaupläne der Telecom Italia ausgerufen haben.

Nachdem der Chef von Europas fünftgrößtem Telekommunikationskonzern, Marco Tronchetti Provera, am Freitag überraschend zurückgetreten war, hat am Montag auch der Wirtschaftsberater der Regierung Prodi, Angelo Rovati, das Handtuch geworfen. Rovati war von Seiten der oppositionellen Mitte-Rechts-Allianz um Silvio Berlusconi unter Druck gesetzt worden, weil er einen Plan verfasst hatte, mit dem ein Einstieg des Staates in den Festnetzbereich des Konzerns in Aussicht gestellt wurde.

Kontrolle

Laut dem Plan hätte die staatliche Beteiligungsgesellschaft "Cassa Depositi e Prestiti" eine Kontrollbeteiligung am Festnetzgeschäft der Telecom Italia übernehmen sollen. Ein Dossier mit dem Plan wurde dem Management von Telecom Italia vor zwei Wochen zugesandt. Der staatliche Einstieg bei der Telecom hätte als Mittel gegen die Gefahr einer ausländischen Übernahme der verschuldeten Telecom Italia dienen sollen. Die Pläne der Regierung hatten Alarm bei der Telecom Italia ausgelöst, die ihre Projekte zu Umbau und der Veräußerung der Mobilfunktochter TIM beschleunigt hatte, berichteten italienische Medien. Die Opposition beschuldigte die Regierung, mit lenkenden Maßnahmen den freien Markt einschränken zu wollen.

Druck

Der von italienischen Zeitungen veröffentlichte Plan Rovatis setzte Prodi arg unter Druck. Noch vor einer Woche hatte der Regierungschef Berichte dementiert, laut denen er bereits insgeheim Maßnahmen gegen einen möglichen Verkauf des Mobilfunkgeschäfts von Telecom Italia an ein ausländisches Unternehmen überlegt hätte. Prodi hatte aber vergangene Woche erklärt, er sei nicht über den radikalen Strategiewechsel bei Telecom Italia informiert worden und hatte die Entscheidung, die Netzwerk- und die Mobilfunksparte TIM zu trennen, offen in Frage gestellt.

"Ich trete zurück, um der Regierung nicht zu schaden. Meine Initiative zum Fall Telecom wurde instrumentalisiert, um das Mitte-Links-Kabinett unter Druck zu bringen", sagte Rovati in seinem Rücktrittsschreiben. Rovati hatte öfters betont, dass er Prodi über seinen Plan nicht informiert hatte, was die Opposition heftig bestreitet.

Inzwischen hat sich die Regierung Prodi bereit erklärt, vor dem Parlament über den Fall Telecom Italia zu berichten, wie die Opposition verlangt. Prodi könnte noch diese Woche vor den Kammern aussagen. (APA)