Budapest/Wien - Die Krawallnächte in Budapest liefen nach demselben Muster ab: Zunächst demonstrierten rund 10.000 Menschen friedlich gegen die Regierung. Am Ende lieferten sich einige hundert Demonstranten blutige Straßenschlachten mit der Polizei.

Die Behörden machen für die Gewalt die Anhänger zweier Budapester Fußballklubs verantwortlich. Dabei sollen ausgerechnet Fans der rivalisierenden Klubs Ferencváros und Ùjpest "zusammenarbeiten". "Jeder, der in den vergangenen zehn Jahren in der Nähe eines Fußballstadions war, kennt sie", schreibt die ungarische Tageszeitung Népszabadsag über die Gewalttäter.

Die Mehrzahl der friedlichen Demonstranten gehört laut dem Budapester Politologen Sándor Kurtán dem "rechten und extrem rechten Spektrum" an. Auch Prominente sind dabei: So wurde der rechtsextreme Istvan Csurka, Chef der Wahrheits- und Lebenspartei (MIEP), gesichtet. Montagnacht, als Büros des TV-Senders Magyar-TV in Flammen aufgingen, wollte Lászlo Taroczkai eine Petition an den Sender übergeben. Taroczkai ist Chef der rechtsnationalen Bewegung "64 Vármegye", die mit großungarischem Gedankengut liebäugelt. Er wurde jüngst aus der Slowakei abgeschoben, als er in Bratislava eine Rede zur Lage der ungarischen Minderheit halten wollte.

Die Gesänge der Demonstranten werden auch von Gyurcsány inspiriert. Er hatte bei seiner "Lügen-Rede" gesagt, dass Proteste gegen ihn schnell abebben und die Menschen heimgehen werden "Wir werden nicht nach Hause gehen", ist nun ein beliebteter Sprechchor der Gyurcsány-Gegner. (szi, DER STANDARD, Print, 21.9.2006)