New York/London - Anfang August starb jener Mann, der die Opiatsucht vom Kriminaldelikt zur behandelbaren Erkrankung machte, nun widmete ihm die britische Fachzeitschrift "The Lancet" einen langen Nachruf: Univ.-Prof. Dr. Vincent Dole starb am 1. August in New York im Alter von 93 Jahren.

"Ich war an sich an dem System interessiert, das die Kontrolle von Appetit beim Menschen darstellt", beschrieb der 1913 in Chicago geborene Wissenschafter den Ausgangspunkt zu seinen Arbeiten. 1956 las er das Buch der US-Psychiaterin Marie Nyswander, sie wurde später seine Frau, mit dem Titel: "Der Drogenabhängige als Patient".

Der Entdecker der Drogensubstitutionsbehandlung: "Damals hatte das US-Drogenbüro diesen 'Themenbereich' eisern im Griff und alle Ärzte für 30 Jahre davon getrieben. Man glaubte, man könne das Drogenproblem einfach auslöschen - und würde das nicht gelingen, wären eben die Strafen noch immer zu gering."

Methadon

Das war und ist - Sucht ist eine Krankheit - der falsche Ansatz. Marie Nyswander lernte eine Substanz kennen, die das Tor zur Behandelbarkeit der Opiatabhängigkeit öffnete: Methadon. Nach ersten Versuchen wurde die Behandlung von Süchtigen von Dole, seiner Frau und ihrer Kollegin Jeanne Kreek 1964 ausgeweitet. Letztere erzählte: "Wir interviewten hunderte Drogenabhängige in den Straßen, in Spitälern und in Behandlungszentren. Es geschah etwas ganz bemerkenswertes. Die (mit Methadon therapierten, Anm.) Süchtigen hörten auf, an Heroin zu denken. Nach den ersten sechs Monaten wussten wir bereits, wir hatten eine Behandlung." Sie dämpfte die Entzugserscheinungen und machte die Therapierten frei von Drogenkriminalität.

Jeanne Kreek: "Am wichtigsten war wohl, dass wir drei das Konzept schufen, dass Sucht eine Krankheit ist. Eine Krankheit des Gehirns, die bestimmte Verhaltensweisen auslöst - eben nicht einfach ein kriminelles Verhalten."

Insgesamt befinden in Österreich derzeit rund 7.000 Opiatabhängige in Substitutionsbehandlung. Die Zahl steigt ständig - wenn auch nur noch leicht - an. Doch werden mit der Substitutionstherapie derzeit nur 25 bis 30 Prozent der Opiatabhängigen versorgt, weswegen Fachleute immer wieder eine Ausweitung dieser Behandlungsmöglichkeiten fordern. (APA)