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Grafik: APA
Wien - Das Verteidigungsministerium ist am Montag zur Verteidigung der in den Wahlkampf geratenen Eurofighter ausgerückt. Der Gesamtverantwortliche für die Eurofighter-Einführung, Generalmajor Erich Wolf, sagte bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz, es sei "nichts unter den Tisch gekehrt worden". Genaue Angaben zur umstrittenen Vorfinanzierung durch die BAWAG machte Wolf nicht, er meinte lediglich, dass das Ministerium die ab 2007 fälligen Halbjahresraten an die Gewerkschaftsbank überweisen werde. Konkrete Zahlen wurden auch zu den von der Opposition als zu teuer kritisierten Flugstunden nicht gemacht. Nach einer von Wolf empfohlenen Berechnung dürfte eine Stunde rund 27.777 Euro kosten.

Ministerium um Kalmierung bemüht

Nachdem neuerlichen Entflammen der Abfangjäger-Debatte kurz vor der Wahl, war das Ministerium um Kalmierung bemüht. Wolf erklärte die heftig diskutierten Kosten wie folgt: An den Anschaffungsausgaben (18 Flugzeuge, Logistik und technische Ausbildung) von rund zwei Milliarden Euro habe sich nichts geändert, ebenso wie an den Zusatzinvestitionen für Einführung und Betrieb des neuen Systems in Höhe von 463 Millionen Euro. Die zuletzt kolportierten 233 Mio. Euro Zusatzkosten seien darin enthalten, so Wolf. Die 463 Millionen würden unter anderem für militärische Ausbildung, die durch die deutsche Luftwaffe erfolgt, Flugplätze, Bauinfrastruktur und Radarsysteme benötigt und seien von der Typenentscheidung unabhängig, so Wolf.

Eurofighter-Flugstunde

Die jährlichen Betriebskosten bezifferte Wolf auf Basis von 1.800 Flugstunden mit 50 Millionen Euro. Dass eine Eurofighter-Flugstunde viel teuerer sei als bei anderen Fliegern, wie von der Opposition behauptet, bezeichnete Wolf als "nicht nachvollziehbar". Die SPÖ hatte kritisiert, dass eine Eurofighter-Flugstunde 35.000 Euro kostet, während der Saab-Gripen schon um 3.000 Euro die Stunde und die F-16 von Lockheed um 6.700 Euro fliegen würden. Diese Zahlen erklärte Wolf damit, dass möglicherweise einmal nur die reinen Treibstoffkosten berechnet und beim Eurofighter die Vollkosten inklusive Flugsicherung und Flughafenfeuerwehr angeführt worden seien.

Unterschiedliche Bedingungen

Was eine Eurofighter-Flugstunde dem österreichischen Bundesheer tatsächlich kosten wird, wollte Wolf nicht sagen. Er meinte nur, dass in jedem Land unterschiedliche Bedingungen gegeben seien, empfahl aber gleichzeitig die 50 Mio. Euro Betriebskosten, die alles beinhalten würden, durch die geplanten 1.800 Flugstunden zu dividieren. Demnach kostet eine Flugstunde rund 27.777 Euro.

Einen Grund zum Ausstieg aus dem Kaufvertrag, wie von der Opposition gefordert, sieht Wolf naturgemäß nicht. Die Lieferung würde "vertragskonform" erfolgen. Zu den ebenfalls von der Opposition angeprangerten Lieferschwierigkeiten - Österreich bekommt zunächst Flieger der Produktions-Tranche 1 statt der bestellten Tranche 2 - betonte Wolf, dass die Umrüstung auf Tranche 2 auf Kosten der Herstellerfirma EADS passiere.

Bank-Zinsen

Die ebenfalls umstrittene Finanzierung wollte Wolf nicht weiter kommentieren, weil sich die kommerziellen Teil des Vertrags "seiner Kenntnis entziehen". Nach hartnäckigem Nachfragen sagte er dann aber schließlich, dass das Ministerium die ab 2007 anstehenden Halbjahresraten an die BAWAG, die den Ankauf vorfinanziert, überweisen werde. Ob die Gewerkschaftsbank - wie von der Opposition behauptet - tatsächlich bereits mehr als die Hälfte der Anschaffungskosten überwiesen hat, ließ Wolf offen. Unbeantwortet bleiben auch Fragen nach möglichen Bank-Zinsen. (APA)