Wien - "Wir verstehen uns als Teil der Kulturpolitik", sagte am Montag Franz-Otto Hofecker, Vorstand des Instituts für Kulturmanagement und Kulturwissenschaft der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (IKM). Im Rahmen einer Pressekonferenz präsentierte er den bisher vierten "Bericht zur Kulturfinanzierung des Bundes" zum Jahr 2005. Demnach betrugen die Ausgaben 767,50 Millionen Euro, was "inflationsbereinigt" 665 Mio ausmacht und einem Anstieg von 0,76 Prozent oder 5 Millionen Euro im Vergleich zu 2004 entspricht. Der Anteil der Kultur am Gesamtbudget betrug wie im Vorjahr 0,78 Prozent.

"Spannende Strukturanalyse"

Hofecker versprach eine "spannende Strukturanalyse" anhand der vom IKM entwickelten LIKUS-Methode, die Peter Tschmuck vom IKM im Detail ausführte. Dieser nahm das Fazit vorweg: "Die Kulturausgaben des Bundes flossen vor allem in die Erhaltung von Strukturen und Großinstitutionen und nur zum kleinen Teil in Einzelprojekte und in die freie Kulturszene". In der statistischen Analyse ergaben sich zwischen 1995 und 2005 "zwei Förderperioden". Lag der durchschnittliche Kultur-Anteil der Gesamtausgaben pro Jahr bei 0,95 Prozent, so sank er seit 2000 auf 0,72 Prozent ab.

Sinkende Ausgaben im Vergleich zum "langjährigen Durchschnitt"

Im Vergleich zum "langjährigen Durchschnitt" sanken die Kulturausgaben um 2,7 Prozent oder 18,1 Millionen Euro. Der stärkste reale Ausgabenrückgang von 13,8 Millionen Euro (39 Prozent) fällt auf die Zentralstelle des Bundeskanzleramtes. Auch bei den Förderungen der Kunstsektion im Bundeskanzleramt ist nach LIKUS eine Reduktion von 5,6 Millionen Euro (6,9 Prozent) feststellbar.

Die "Gewinner" 2005

Zu den "Gewinnern" von 2005 zählen im Vergleich der inflationsbereinigten Nettodurchschnittswerte ab 1995 nach LIKUS-Kategorien die Sparten "Großveranstaltungen" mit einer Steigerung von 28,4 Prozent, "Museen, Archive, Wissenschaft" mit plus 17,4 Prozent, "Baukulturelles Erbe" mit plus 16 Prozent, und "Ausbildung, Weiterbildung" mit plus 7,1 Prozent. Zu den "Verlierern" gehören "Musik" mit minus 2,4 Prozent, "Theater, Musiktheater, Tanz" mit minus 3,8 Prozent, "Internationaler Kulturaustausch" mit minus 5,7 Prozent, "Film, Kino, Video" mit minus 10,5 Prozent, "Kulturinitiativen, Zentren" mit minus 19,9 Prozent, "Zeitungen, Zeitschriften" mit minus 31,6 Prozent, und "Hörfunk, Fernsehen" mit minus 77,5 Prozent.

Ausgaben nominal

Der Bund gab 2005 nominal folgende Beträge aus: für "Museen, Archive, Wissenschaft" 111,7 Mio. Euro, für "Baukulturelles Erbe" 134,9 Mio. Euro, für "Heimat- und Brauchtumspflege" 5,3 Mio. Euro, für "Musik" 9 Mio. Euro, für "Theater, Musiktheater, Tanz" 181,6 Mio. Euro, für "Film, Kino, Video" 16,1 Mio. Euro, für "Bildende Kunst, Photo" 8,8 Mio. Euro, für "Literatur" 8,2 Mio. Euro. Seit 2000 wurden für Einzelförderungen real um 18,7 Mio. Euro (minus 16,5 Prozent) weniger ausgegeben. Einen"strukturellen Bruch" ortet die Studie zwischen 1999 und 2000. Trotz bereits sinkender Tendenz zwischen 1995 und 1999 sanken die Förderungen seit 2000 kontinuierlich weiter.

Insgesamt stellt das IKM für 2005 "die viertniedrigsten Kulturausgaben" fest. (APA)