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Seit 28 Jahren im Amt.

REUTERS/Khaled Abdullah
Ali Abdullah Saleh hat gute Chancen, alle Rekorde zu brechen. 28 Jahre ist er bereits im Amt. Nach seinem Sieg bei den Präsidentschaftswahlen vergangene Woche kann er das ärmste arabische Land sieben weitere Jahre regieren. Und dies, obwohl er sich zum ersten Mal einer echten Wahl gestellt hat, mit einem Herausforderer, der politisches Gewicht hat und vor allem in den Städten einen guten Rückhalt in der Bevölkerung genießt.

Zwar prangerte die Opposition Manipulationen an, aber sie beanstandete nur die Höhe des Sieges, sprach von einem Resultat, das tatsächlich etwa zehn Prozent tiefer liege, als die von der Wahlkommission angegebenen 77 Prozent. Saleh hatte außerdem den ganzen Staatsapparat für seine Kampagne eingesetzt. Das kreideten ihm die EU-Beobachter an, dennoch kamen sie zu dem Schluss, der Urnengang sei trotz einiger Unregelmäßigkeiten weit gehend transparent gewesen.

Der Langzeitregent hatte nichts dem Zufall überlassen und war in der Wahl seiner Mittel nicht zimperlich. In einer theaterreifen Inszenierung hatte er sich nach einem ursprünglichen Verzicht von fast einer Million Anhängern und dem regierenden Allgemeinen Volkskongress zu einer erneuten Kandidatur bitten lassen. Zwei Tage vor dem Wahltermin hatte er mit Sicherheits- und Terrorfragen eine unfaire Attacke gegen den Oppositionskandidaten geritten und diesem vorgeworfen, Kontakte mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida zu haben.

Weit über die Hälfte der jemenitischen Bevölkerung kennt ihr Land nicht anders als unter der Ägide des 64-jährigen Offiziers, der seit 1997 den Titel eines Feldmarschalls trägt. Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges kam er 1978 als Führer des Nordjemen an die Macht und steuerte sein Land 1990 durch die Wiedervereinigung mit dem ehemals kommunistischen Süden. Der Vater von sieben Kindern überlebte neben vielen politischen Schlachten auch den Bürgerkrieg von 1994 und preist sich heute deshalb als Staatsmann, der dem Jemen Stabilität gebracht hat. Nach dem 11. September hat er sich im Kampf gegen den islamistischen Terror eng an die Seite der Vereinigten Staaten gestellt.

Von einer Erfolgsgeschichte kann jedoch keine Rede sein, denn der Großteil der rund 20 Millionen Jemeniten lebt in bitterer Armut, fast die Hälfte sind Analphabeten und die Arbeitslosenrate ist hoch. Reich geworden ist der Präsident und eine kleine Oberschicht. Die Korruption ist das gravierendste Problem des Jemen. Hohe Arbeitslosigkeit und Hunger könne man nicht als Stabilität bezeichnen - im Gegenteil, da ticke eine Zeitbombe, warnten deshalb Vertreter der Opposition den jemenitischen Präsidenten zu Beginn seiner neuen Amtszeit. Denn arme Leute seien empfänglich für extremistische Ideen. (Astrid Frefel/DER STANDARD, Printasugabe, 26.9.2006)