Wien - Die Wirtschaftsuniversität (WU) Wien will den Zugang für Doktorat-Studenten beschränken. Ab dem Wintersemester 2006/07 werden nur mehr Personen aufgenommen, die schon eine Betreuungszusage eines Uni-Lehrers vorweisen können - begründet wird dies mit der Sicherung der Qualität der Studien. Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) hält das für "illegal", im Bildungsministerium sieht man die geplante Beschränkung als "problematisch" an.

Rund 200 pro Semester

Gerechtfertigt wird die Maßnahme nämlich nicht mit dem in Folge des EuGH-Urteils geänderten Paragrafen 124 b des Universitätsgesetzes (UG), der Zulassungsbeschränkungen in Betriebswirtschaftlehre (BWL) nur ab der Durchschnitts-Studentenzahl der vergangenen drei Jahre erlaubt, sondern mit der Universitätsautonomie. So kann die im Paragraf 124 b UG vorgeschriebene Mindestanzahl an Studenten unterschritten werden. Derzeit beginnen rund 200 Personen pro Semester ein Doktorat-Studium an der WU, rund zwei Drittel der Doktorat-Studenten hat laut Studienrichtungsvertretung keine Betreuungszusage.

Bei der Beschränkung handle es sich "nicht um eine verbotene quantitative Beschränkung", sondern um eine "Maßnahme der Qualitätssicherung, die quantitative Nebeneffekte hat", heißt es in einem von WU-Professor Stefan Griller erstellten Gutachten zu der Frage, auf das sich die Universität stützt. Eine Qualitätssicherungsmaßnahme für das Studium bereits zu Studienbeginn zu administrieren, "macht diese nicht automatisch zu einer quantitativen Zulassungsbeschränkung".

"Eine Zumutung"

"Es ist eine Zumutung, dass gerade an der Uni des Rektorenchefs diese illegale Zugangsbeschränkung beim Doktorat eingeführt wird", hieß es aus der ÖH gegenüber der APA. Studierende hätten auch bei der Dissertation ein Recht auf einen Betreuer: "Die Studiermöglichkeit der ProfessorInnenwillkür zu unterwerfen, erinnert an eine Universität des 18. Jahrhunderts." Es sei auch "absurd", dies mit Qualitätssicherung zu begründen. "Qualität heißt nicht, wie wenige Menschen gute Bildung erhalten. Qualitätssicherung wäre dafür zu sorgen, dass möglichst viele Menschen, möglichst hohe Bildung erhalten."

Das Bildungsministerium als Aufsichtsbehörde hat dazu eine rechtliche Anfrage an die WU gestellt und eine Stellungnahme erhalten, hieß es auf Anfrage der APA. Man sehe die geplante Beschränkung als "sehr problematisch" an und habe gegenüber der WU angeregt, diese zu überdenken, betonte Hochschul-Sektionschef Friedrich Faulhammer. Nun warte man auf eine erneute Stellungnahme der Uni.

Laut der Studienrichtungsvertretung Doktorat an der WU haben rund zehn Prozent der Professoren weder eine Erst- noch Zweitbetreuung einer Dissertation. Dies sei zwar zum Teil in Ordnung, wenn es neue Uni-Lehrer oder hohe Funktionsträger betreffe - allerdings zeige es das noch mögliche Potenzial an Betreuungsmöglichkeiten. (APA)