Köln - Im Zusammenhang mit der ISAF-Entscheidung des Bundestages und der Ermordung einer Vertreterin des afghanischen Frauenministeriums in Kandahar klagt die Frauenhilfs- und -rechtsorganisation medica mondiale den radikalen Schutz von Afghaninnen in ihrem Land durch die internationale Gemeinschaft ein:

Ideologischer Vormarsch der Extremisten

Für medica mondiale-Geschäftsführerin Monika Hauser lässt die Sicherheitssituation von Frauen in Afghanistan zu Wünschen übrig. In einer Aussendung betont die Opferschutzeinrichtigung, dass der Mord an der hochrangigen Funktionärin des Frauenministeriums in Kandahar, Safiya Omar, ein vorläufiger Höhepunkt erschreckender Entwicklungen gewesen sei: "Seit ein paar Monaten beobachten wir vor Ort, dass die Extremisten nicht nur militärisch, sondern auch ideologisch auf dem Vormarsch sind", so Hauser. Angst und Schrecken würden in der Bevölkerung geschürt und verbreitet. "Frauen, die sich laut und öffentlich für die Interessen von Frauen einsetzen, werden terrorisiert oder exemplarisch exekutiert." Deutsche Bundesregierung gefragt

Dennoch, kritisiert sie, stehe die Sicherheit von Frauen immer noch nicht auf der Tagesordnung des neuen Afghanistan-Konzeptes der Bundesregierung: "Weder ist der Schutz von Frauen in öffentlichen Positionen noch der vor häuslicher Gewalt in Sicherheitskonzepten verankert. Dabei ist die Sicherheit von Frauen und Mädchen ein Gradmesser für die generelle Sicherheitslage im Lande und somit unverzichtbar für den friedlichen Neuaufbau der afghanischen Gesellschaft", so Hauser weiter.

Flugblätter gegen Frauenaktivistinnen

Fünf Jahre nach dem Fall des Talibanregimes müsse man erleben, dass in Herat Flugblätter mit dem Aufruf verteilt werden, gezielt Frauenaktivistinnen anzugreifen. "Wenn solche Akte und die Täter nicht öffentlich verurteilt werden, schürt dies ein frauenfeindliches Klima und lädt dazu ein, Frauen als Zielscheibe zu benutzen", so Hauser.

Die internationale Gemeinschaft müsse nun endlich ihre Versprechen, Frauen zu schützen und zu fördern mit einem entsprechendem Maßnahmenkatalog und Geldervergaben einlösen. Damit sei man schließlich 2001 angetreten. Die Abstimmung im Bundestag für den ISAF-Einsatz sei ein wichtiger Anlass, erneut zu analysieren, was eigentlich damals versprochen und was letztlich für die weibliche Bevölkerung erreicht wurde: "Wir fordern von der deutschen Regierung ihr klares Bekenntnis, sich mit konkreten Maßnahmen wie beispielsweise Personenschutz für Frauen in öffentlichen Ämtern, die gezielte Ausbildung von Polizistinnen, Anwältinnen und Ärztinnen und eine vermehrte Förderung von psycho-sozialen Projekten einzusetzen und somit die fortschrittlichen Kräfte im Land zu stärken und nicht den Taliban in die Hände zu spielen!", so Hauser abschließend. (red)