Es war einmal eine Regierung in Deutschland, die daran arbeitete, sich von Staatsbeteiligungen zu trennen. Das geschah auch: raus aus dem Rüstungsgeschäft, der Post, der Fluggesellschaft. Doch dann kam die Krise - und es war vorbei.

Mit dem bevorstehenden Einstieg beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS gibt Deutschland seine jahrzehntelange Politik auf, Staatsbeteiligungen an Unternehmen zu reduzieren. Das ist ein Salto rückwärts, nachdem 1989 Bund und Länder aus der EADS-Vorläufergesellschaft ausgestiegen sind. Um nur ja der französischen Regierung, die stets ihren weit reichenden Einfluss auf die Wirtschaft beibehalten hat, Paroli bieten zu können, verschreibt sich auch Berlin der direkten staatlichen Intervention. Schließlich gilt es aus Berliner Sicht, nach der angekündigten Reduzierung der EADS-Anteile durch DaimlerChrysler die deutsch-französische Balance zu wahren. Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust spricht sogar von einer "patriotischen Verpflichtung".

Es ist absehbar, dass sich die Krise von Airbus noch verschlimmern wird, wenn nun auch noch Berlin mitredet. Schon jetzt gibt es mehrgleisige Strukturen. Schließlich gilt es auch noch Spanien, das einen Anteil von 5,48 Prozent an EADS hält, zu bedenken. Das führt dazu, dass für den Superjumbo A380 die Rumpfverkleidung und das Höhenleitwerk in Spanien produziert werden, die Innenausrüstung und Teile von Bug und Rumpf in Hamburg, Tragflächen in Großbritannien und die Endmontage dann im französischen Toulouse erfolgt. Schließlich muss sich Wirtschaftspatriotismus rechnen - für jedes an EADS beteiligte Land. Jetzt ist auch noch Russland mit fünf Prozent eingestiegen. Russland kann da sicherlich seine Erfahrungen mit der Planwirtschaft einbringen. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.10.2006)