Wien - Bei den Austrian Airlines soll wegen des Streits zwischen Vorstand und Belegschaft morgen, Freitag, ein Gipfeltreffen stattfinden. Am Gespräch sollen AUA-Vorstandssprecher Alfred Ötsch, Bordbetriebsrat Wolfgang Hable und Bodenbetriebsrat Alfred Junghans teilnehmen, berichtet das Wochenmagazin "Format" in seiner neuen Ausgabe. In einem Interview mit dem Magazin stellte Ötsch der Belegschaftsvertretung neuerlich die Route ins Fenster: Bei mangelnder Kooperationsbereitschaft der Betriebsräte werde es weitere Streckenschließungen geben müssen.

"Nach jetzigem Stand der Planung, inklusive aller Abfederungsmaßnahmen, kommen wir wahrscheinlich ohne Kündigungen aus, obwohl wir die Australien-Strecke eingestellt haben. Das Problem ist: Wenn sich der Betriebsrat weiterhin aus Prinzip querlegt, wird es dabei nicht bleiben können, weil der Kapitalmarkt Druck auf weitreichendere Sanierungsschnitte machen würde. Nicht nur die Australien-Strecke war schwer defizitär, etwa auch die Shanghai-Route ist gefährdet. Wenn Management und Betriebsrat nicht an einem Strang ziehen, werden Langstrecken wie diese auf die Dauer nicht zu halten sein", so Ötsch wörtlich laut "Format".

Geschäftsschädigende Aussagen

Gleichzeitig warf er dem Betriebsrat "geschäftsschädigende öffentliche Aussagen" vor, "die theoretisch klagbar" seien. Hable habe beispielsweise behauptet, die AUA würde im Zuge des Ausbaues der Business-Class Sitze einbauen, die bei der Lufthansa schon wieder ausgebaut würden, so Ötsch. Das sei definitiv falsch. Darüber hinaus würden die Leistungen ganzer Unternehmensbereiche "mit oberflächlichen Betrachtungen von Hobby-Ökonomen aus dem Betriebsrat ungerechtfertigt angeprangert". Insbesondere weil die Aussagen "angesichts der bevorstehenden Kapitalerhöhung in einer der entscheidensten Phasen" des Unternehmens getätigt worden seien, werde er "klar stellen, dass ich nicht mit einem Schulterzucken darüber hinweg gehen kann", so Ötsch.

Kritik übte der AUA-Chef auch an die Anrufung einer paritätisch besetzten Kommission durch Hable, vor der das Management die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit von Spar-Maßnahmen erläutern muss. "Ich befürchte, dass dabei bisher nicht veröffentlichte Detailzahlen verbreitet würden, was sicherlich vor dem Hintergrund der laufenden Kapitalerhöhung heikel ist", sagte er. (APA)