Abidjan - Nach dem Tod von zehn Menschen in Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste) durch Giftmüll aus Europa werden die Abfälle zumindest teilweise wieder zurückgebracht. Mit Dutzenden versiegelter Container an Bord verließ der französische Frachter "MN Toucan" am Samstag den Hafen von Abidjan. Der erste von vier geplanten Transporten nach Le Havre soll etwa zehn Tagen dauern, wie Kapitän Franck Ouvray mitteilte.

Die französische Entsorgungsfirma Tredi International hat seit dem 17. September rund 5.000 Tonnen giftiger Abfälle geborgen, die an 17 verschiedenen Stellen am Rand von Abidjan abgeladen worden waren. An zwei Müllhalden seien die Arbeiten noch nicht abgeschlossen, sagte Tredi-Sprecher Henri Petitgand. Sobald die giftige Fracht in Nordfrankreich eingetroffen sei, werde es noch etwa zwei Wochen dauern, bis der Müll neutralisiert worden sei.

Schwefelwasserstoffe

Die Abfälle waren am 19. August von der "Probo Koala" im Hafen von Abidjan entladen worden. Dieser Frachter brachte den Müll im Auftrag der niederländischen Firma Trafigura Beheer BV in Cote d'Ivoire. Nach Angaben des Unternehmens enthielt die Ladung vor allem Abfälle aus Benzinrückständen. Fachleute der Vereinten Nationen ermittelten jedoch, dass der Müll auch Schwefelwasserstoffe enthielt, die in konzentrierten Dosen tödlich wirken.

In den Gebieten, in denen der Müll abgeladen wurde, kamen nach Angaben des Gesundheitsministeriums von Cote d'Ivoire zehn Menschen ums Leben. Mehr als 60 Bewohner mussten mit Vergiftungserscheinungen im Krankenhaus behandelt werden, mehr als 100.000 wurden mit Medikamenten behandelt. Der Leiter der Sonderkommission der Regierung, Safiatou Ba N'daw, sagte, mit dem Abtransport des Problems sei die Krise noch nicht überwunden. "Wir dürfen nicht vergessen, dass wir immer noch den Boden reinigen, und auch die Lagune und das Abwassersystem müssen noch gereinigt werden."

Der Hafenwachmann Siaka Konate verfolgte die Abfahrt des Müll-Frachters mit einem Lächeln im Gesicht. "Ich bin froh, weil das, was in diesem Land geschehen ist, wirklich traurig ist", sagte Konate. Bei der Ankunft des Giftmülls im Hafen habe die Luft so sehr gestunken, dass er habe erbrechen müssen. Die Behörden haben bei ihren Ermittlungen zum Giftmüllskandal bisher sieben Personen festgenommen, unter ihnen auch zwei französische Angestellte von Trafigura. (APA/AP)