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Strengere Regeln an Schulen will nicht nur die Regierung, sondern auch die polnische Bevölkerung.

Foto: Reuters/Stoltz
Warschau - Die polnische Regierung fordert stärkere Maßnahmen gegen die Gewalt an Schulen. Während Bildungsminister Roman Giertych von der nationalklerikalen Liga Polnischer Familien (LPR) die Einrichtung von Sonderschulen für verhaltensauffällige Jugendliche vorschlägt, sprach sein Stellvertreter Miroslaw Orzechowski am Wochenende gegenüber der Nachrichtenagentur IAR von der Wiedereinführung der Geschlechtertrennung an Schulen.

Null-Toleranz-Programm

Auslöser für die Debatte war der Selbstmord der 14-jährigen Anna aus Danzig (Gdansk) vor zehn Tagen. Sie hatte sich erhängt, nachdem sie von Klassenkameraden entkleidet und sexuell bedrängt worden war. Minister Giertych erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur PAP, am Donnerstag werde die Regierung ein Maßnahmenpaket vorstellen. "Unser Null-Toleranz-Programm wird nicht nur auf gewalttätige Jugendliche ausgerichtet sein, sondern auch auf gedankenlose Lehrer und Direktoren", so Giertych.

Verbot von Aufnahmegeräten

Die polnische Öffentlichkeit ist mehrheitlich für einschneidende Maßnahmen, wie eine Umfrage des Instituts OBOP für die Tageszeitung "Dziennik" ergab. So sprechen sich 72 Prozent der Befragten für Sonderschulen für schwererziehbare Jugendliche aus. 64 Prozent befürworten Schuluniformen und 78 Prozent ein Verbot von optischen Aufnahmegeräten an Schulen. Die 14-jährige Anna war von ihren Peinigern gefilmt worden.