Wien - "Macht Platz für junge Dramatikerinnen!" ist mehr als nur der Titel einer ambitionierten Veranstaltungsreihe im Wiener WUK. An zehn Abenden bietet der WUK Projektraum Platz für elf Dramatikerinnen der neuen Generation. Die zwei jüngsten Teilnehmerinnen sind die in der Schweiz geborene Darja Stocker und die österreichische Nachwuchshoffnung Gerhild Steinbuch (beide Jahrgang 1983). Weiters vertreten sind u.a. Anja Hilling oder Kathrin Röggla, die am Freitag den Auftakt des Lesereigens bestreitet. Auch das Volkstheater präsentiert ab Ende November in Kooperation mit dem Sessler Verlag österreichische Dramatiker.

"Draußen tobt die Dunkelziffer"

"Platz machen" heißt es im WUK für eine junge Generation von Charakteren, die in den jeweiligen Stücken auf verschienendste Art und Weise am Leben scheitern, nicht zuletzt auf Grund des ewigen Geschlechterkampfes. Um die in den Texten verarbeiteten Gefühle zu verbildlichen, wurde zudem die Künstlerin Christina Gillinger (geboren 1976) eingeladen, einen Teil ihrer Arbeiten im WUK auszustellen. In ihrer Fotoserie "Eltern haften für ihre Kinder" hält die Künstlerin Transformationsprozesse fest. Ähnlich den vorgestellten Theaterstücken zeigt sie darin den Zustand zwischen Zerstörung und der Entstehung von Neuem, Schönen und Fortschrittlichen.

Mit "Draußen tobt die Dunkelziffer", einem Stück über das Verschuldungsproblem "in unserer wohlstandsmaximierten und neoliberalen Konsum-Wunderwelt", eröffnet die in Salzburg geborene und in Berlin lebende Autorin Kathrin Röggla den Lese-Reigen am 10. November gemeinsam mit ihrer Kollegin Meike Hauk ("Hund frisst Gras"). Für all jene, die am jeweils ersten Leseabend keine Zeit haben, wiederholt sich das Programm am Tag darauf.

Einem "doppelbödigen Wertesystem" widmet sich die deutsche Autorin Felicia Zeller in ihrem Stück "Einfach nur Erfolg" (15. und 16.11.), die Südtiroler Dramatikerin Maxi Obexers "F.O.B. Free On Board". Sie thematisiert das Warten au ein Bewerbungsgespräch, das die "zum Zerreißen gespannte Psyche einer überkompetenten Frau" offen legt. Am 18. und 19. November zeichnet Darja Stocker ein düsteres Bild des Erwachsenwerdens ("Nachtblind"), Anja Hilling beschreibt die Hilflosigkeit einer Annäherung dreier möglicher Paare in "Protection. Ein Stück in drei Teilen". Die dritte Autorin des Abends ist die 1980 in Deutschland geborene Katharina Schmidt mit "Maxi-Singles".

Weiters auf dem Programm stehen Texte der Salzburgerin Katrin Schurich ("Larvenhaut") und "Rosige Zeiten" von Katharina Schlender (Deutschland) am 22. und 23. November, Gerhild Steinbuch liest am 24. und 25. 11. aus ihrem inzenstuösen Familiendrama "kopftot", die Hamburgerin Johanna Kaptein erzählt "Die Geschichte von St. Magda". Eine düstere Story über das Schicksal einer Frau, die den Händen der Männer überlassen wird.

"Schreibwetter"

An jungen Autoren mangelt es auch dem Sessler Verlag nicht, der gemeinsam mit dem Wiener Volkstheater die vierteilige Reihe "Schreibwetter Junge österreichische Dramatik" startet. Den Anfang machen die österreichischen Autoren Silke Hassler ("Qualifikationsspiel" und "Kleine Nachtmusik") und Josef Bruckschlögl ("Ehe in 16 Bildern" und "Zodiak") am 23. November. (APA)