Wien - Dass Rauchen gesundheitsschädlich ist, bestreiten mittlerweile nicht einmal mehr die Tabakkonzerne. Wie viele Menschen allerdings wirklich jedes Jahr in Österreich an den Folgen des Tabakkonsums sterben, darüber gibt es offenbar nur äußerst grobe Schätzungen.

Wie der Standard berichtete, gibt es deutliche Diskrepanzen zwischen den Zahlen der Weltgesundheitsorganisation und den Daten, die österreichische Ärzte bekannt geben. Denn während die WHO für das Jahr 2000 auf 8900 Raucher und Raucherinnen kommt, die an Qualmfolgen gestorben sind, rechnet die Ärzteschaft mit rund 14.000 Toten jährlich - ein Unterschied von 57 Prozent.

"Ausreichend viele"

"Die von uns gemeldeten 14.000 Todesfälle sind eine grobe Schätzung", gesteht der Sozialmediziner Michael Kunze ein und plädiert für eine neue wissenschaftliche Studie. Für gesundheitspolitischen Maßnahmen sei die genaue Zahl ohnehin sekundär: "Auch 10.000 Tote sind 'ausreichend' viele, um tätig zu werden", betont Kunze.

Die WHO-Zahlen offenbaren noch ein Paradoxon. Obwohl Österreichs Nichtraucherschutz wenig ausgeprägt ist, sterben nur in drei Ländern der EU-25 weniger Männer an Krebserkrankungen der Atmungsorgane. Frauen sind gefährdeter: In dieser Liste liegt Österreich auf Platz elf. (Michael Möseneder/D ER S TANDARD , Print-Ausgabe, 21.11. 2006)