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Seit 2001 wurden mehr als 1.000 Postämter geschlossen.

Foto: APA/Pfarrhofer
Klagenfurt - Das Wohnen auf dem Land wird in Österreich, zumindest in Bezug auf die Infrastruktur, immer unattraktiver. So gab es in den vergangenen Jahren eine drastische Abnahme der Postämter, Lebensmittelgeschäfte und Gasthäuser, auch die Bezirksgerichte werden immer weniger. Diese "Ausdünnung" der ländlichen Gemeinden, verbunden mit einer immer schwierigeren Finanzsituation, stand am vergangenen Wochenende im Mittelpunkt der Landestagung des Kärntner Gemeindebundes.

1.000 Postämter geschlossen

Im Rahmen der Tagung in Feffernitz (Bezirk Villach) wurden alarmierende Zahlen bekannt gegeben. So hat sich österreichweit die Anzahl der Lebensmittelgeschäfte von 20.310 im Jahre 1970 auf 6.083 im Jahre 2003 reduziert. 320 Gemeinden waren 2003 ohne Lebensmittelgeschäft, heute sind es noch mehr. Seit 2001 wurden mehr als 1.000 Postämter geschlossen, das sind beinahe die Hälfte aller Postämter Österreich. Mehr als 8.000 Arbeitsplätze wurden eingespart.

Auch bei den Gerichten sieht es nicht rosig aus. Gab es 1991 noch 200 Gerichtsbezirke, waren es 1995 nur mehr 187 und seit 2005 gar nur noch 139. Mehr als 200 Gemeinden in Österreich verfügen nicht einmal mehr über ein Gasthaus.

Abwanderung

Wie wichtig die Versorgung des ländlichen Raumes mit Infrastruktur und Arbeitsplätzen ist, unterstreicht andererseits aber die Statistik: 41 Prozent der österreichischen Bevölkerung lebt in "überwiegend ländlichen Gebieten", 37 Prozent in "maßgeblich ländlich geprägten Gebieten". Daraus ergibt sich nach Auffassung des Gemeindebundes, dass 78 Prozent der Bevölkerung in Regionen lebt, die man im weitesten Sinne als ländlich bezeichnen könne. Derzeit sind aber zwischen 700 und 800 ländliche Gemeinden mit Abwanderung konfrontiert.

"Es liegt an der Politik zu entscheiden, welche Perspektiven der ländliche Raum hat", sagte der Präsident des Kärntner Gemeindebundes, Hans Ferlitsch (SPÖ), bei der Landestagung. Die Rahmenbedingungen müssten "so gestaltet werden, dass die Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit in diesen Gebieten garantiert werden kann". Laut Ferlitsch müssten vor allem Klein- und Mittelbetriebe in den ländlichen Regionen günstige Bedingungen vorfinden, um sich dauerhaft anzusiedeln. Hier seien Bund, Länder und Gemeinden gefordert.

Gemeinden in finanziellen Sorgen

Im Rahmen der Gemeindebund-Tagung wurde aber auch auf die immer schlechter werdende finanzielle Lage der Kommunen hingewiesen. Diese hätten mittlerweile kaum Handlungsspielraum. Ferlitsch: "Die Gemeinden können nur dann Initiativen setzen, wenn sie auch über die entsprechenden Mittel für Investitionen verfügen". Der Präsident des Österreichischen Gemeindebundes, Helmut Mödlhammer (ÖVP), stellte klar, dass die Gemeinden einer Senkung der Kommunalsteuer nicht zustimmen würden. Mödlhammer: "Die Gemeinden bekommen ständig neue Aufgaben zugeteilt, dafür benötigen sie auch mehr Geld."

Wie sehr die Schere zwischen Einnahmen und Pflichtausgaben bei den Gemeinden auseinanderklafft, legte der Landesobmann des Österreichischen Städtebundes Kärnten, Villachs Bürgermeister Helmut Manzenreiter (SPÖ), dar: "Seit 2001/2002 sind die Umlagenbelastungen der Stadt Villach um 39,26 Prozent gestiegen, die Ertragsanteile weisen inflationsbereinigt dagegen ein Minus von 1,8 Prozent auf." (APA)