Graz - Die steirischen Landesausstellungen, "die in ihrer bisherigen Form großen Wert hatten, aber sich auch überlebt haben", erhalten ab 2008 Nachfolge als regionale Kulturfestivals, so der für Kultur zuständige LHStv. Kurt Flecker (S) am Freitag in Graz bei der Präsentation des Konzepts. Demnach sollen die Veranstaltungen nur noch alle zwei Jahre stattfinden, ein Budget von maximal vier Mio. Euro (zwei Mio. jährlich) haben und neben einem vom Land bestellten "Intendanten" einen regionalen Koordinator haben.

Es gebe für die Entwicklung des neuen Konzepts durch eine Arbeitsgruppe des Kulturbeirates Grundvoraussetzungen, so der Vorsitzende des Landeskulturbeirates, Heinrich Weyringer: Anders als bisher müssten die Mittel für Ortsbilderneuerung und touristische Maßnahmen aus anderen Ressorts kommen. Finanziert würden nur kulturbezogene Leistungen, und das Land müsse Schwerpunkte bei der kulturellen Weiterentwicklung der Steiermark setzen. Die stellvertretende Beirats-Vorsitzende, Monika Wogrolly, sprach von einem "zeitgemäßen Ansatz, der regionalen Kultur ihren Stellenwert zu geben. Es gehe darum, "unentdeckte und unerschlossene Kunst" interdisziplinär zu erschließen. "Wie es wird, ist nach einem paradigmatischen Wechsel noch nicht genau abzusehen", sagte Wogrolly, für die vor allem der Dialog und das Interesse der einzelnen regionalen Kulturschaffenden aneinander gefördert werden sollte.

"Fünf bis sechs solche Festivals können wir schon ordentlich durchführen"

Für Flecker soll das "künstlerische Potenzial einer Region in Austausch mit internationalen künstlerischen Positionen treten", die Festivals sollten natürlich auch eine materielle Unterstützung für regionale Kulturinitiativen sein. Flecker meinte zwar, dass die jährlichen Landesausstellungen "thematisch Stress erzeugt" hätten und auch die Qualität zu leiden begonnen habe. "Wenn sich aber ein regionales Kulturfestival eine eigene Thematik verordnet, warum nicht?" Wobei man in erster Linie regional bleiben wolle, Graz sei sicher nicht erste Wahl für die Vergabe. "Fünf bis sechs solche Festivals können wir schon ordentlich durchführen. Wenn die Suppe allerdings zu dünn wird, dann hören wir auf", sagte Flecker. "Dann kochen wir eine andere", so Wogrolly.

Der Ablauf eines Festivals soll wie folgt aussehen: Regionen - also eine oder mehrere Gemeinden - legen Projektkonzeption, Finanzierungsplan, Dauer und Thema des Vorhabens sowie die eingebundenen Institutionen vor. Eine aus bis zu fünf Fachleuten bestehende Jury sucht dann in einem Hearing ein Projekt und einen Intendanten aus, der - nicht als Vollzeitjob - als "Qualitätsanwalt" fungieren solle. "Ich glaube, dass die offene Art der Gestaltung es den Regionen und den Kulturinitiativen ermöglichen wird, sich selbst zu präsentieren und zu äußern", erklärte der Kulturlandesrat: "Das Land hat die Funktion des Hauptgeldgebers, es kann aber auch jemand geben, der noch mehr gibt."

Kostenfrage

Als Nebeneffekt der Neugestaltung könne man noch eine Einsparung verzeichnen, sagte Flecker: "Die Landesausstellungen alt haben rund 5,5 Mio. Euro jährlich gekostet, Aussee 2005 etliches mehr." Das erste Festival solle 2008 abgehalten werden, es solle aber auch keine durchgehende, halbjährige Veranstaltung vom Frühjahr bis zum Herbst sein wie bisher. Das Konzept sei soweit mit der ÖVP abgestimmt, meinte der LHStv., der "vielleicht noch mit einer Rückstellung ein Mal in der Landesregierung" rechnet, aber grundsätzlich Übereinstimmung mit der Volkspartei sieht. (APA)