Als Standortpolitik, nicht als Geldmaschine sieht Rektor Alfred Gutschelhofer von der Universität Graz seine „Uni for Life“. Diese 100-prozentige Tochtergesellschaft will er als so etwas wie ein integriertes Gesamtkonzept verstanden wissen, das vielfältiges Know-how an der Universität nützen will sowie Absolventen mit speziellen Weiterbildungsangeboten begleiten wird und offen ist für Kooperationen.

Sowohl bestehende Weiterbildungsangebote der Uni werden dort gebündelt als auch neue Module in Kooperation mit Unternehmen geschaffen werden. Gewinnmaximierung ist sicher nicht zentrales Ziel der Gründung, vielmehr möchte Rektor Gutschelhofer "das akademische Umfeld dort genutzt wissen, wo es der Employability dient". Lebenslanges Lernen sei in einer Wissensgesellschaft nicht nur zentrales Themen- und Aufgabenfeld, sondern in erster Linie gesellschaftspolitische Notwendigkeit.

Die Positionierung der "Uni for Life" ist auch seine Antwort auf einen – wie er sagt – "puren Imperativ des Wettbewerbs der Universitäten". Davon hält der Rektor wenig, weil sich Studienplätze nicht wie Fahrkarten bepreisen ließen. Sonst, so Alfred Gutschelhofer, könnte er ja Institute wie etwa jenes der Archäologie gleich zusperren. Ihm geht es vor allem um das "Angebot eines Spektrums". Und dass dies ohne mehr Durchlässigkeit des aktuellen Schulsystems nur bedingt funktionieren könne, gesteht er wohl zu. Lebensphasen-Lernen

Den Auftrag an die Uni sieht Rektor Gutschelhofer so: "Schneller bilden – und für die späteren Lebensphasen kürzere Module in Wirtschaftsnähe anbieten." Und die Finanzierung dieser Angebote? Für Pilotprojekte sieht Gutschelhofer die Zuständigkeiten bei der Staatskasse. Geht es hingegen etwa um Qualifizierungsangebote für Akademikerinnen in Karenz, dann schlägt er eine Verknüpfung der verschiedenen angebotenen Transferleistungen vor.

Aber gerade die Aufstellung der "Uni for Life" lasse dieses breite Spektrum an Kooperationsmöglichkeiten zu, ist Alfred Gutschelhofer sicher und verweist auf Beispiele im Automobil-Cluster. Als Alleinstellungsmerkmal der "Uni for Life" sieht Rektor Gutschelhofer das gebotene akademische Niveau seiner Uni, heruntergebrochen auf die individuellen Bedürfnisse in den unterschiedlichen Lebensphasen der Lernenden. (DER STANDARD-Printausgabe,25.11.2006)