Österreichs Brillenmarkt ist rund 400 Mio. Euro schwer und muss Einbußen aus dem Vorjahr ausbügeln.

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Wien - Die deutsche Optikerkette Fielmann verschärft den Preisdruck in Österreich. Der Konzern hat die Zahl der Filialen heuer um vier auf 24 ausgebaut. Statt bisher 30 Standorte peilt der Diskonter jetzt mittelfristig 40 an und scheut dabei auch nicht vor kleinen Bezirksstädten zurück. "Wir wollen zügig ausbauen", sagt Ulrich Brockmann, Investor-Relations-Leiter von Fielmann in Hamburg, dem Standard.

Die Finanzkraft dahinter ist geballt. Fielmann rechnet heuer mit mehr als 100 Mio. Euro Gewinn. In Österreich sei der Ertrag von Jänner bis Oktober um 63 Prozent auf 3,6 Mio. Euro geklettert. Der Umsatz erhöhte sich im selben Zeitraum von 24 auf 29,6 Mio. Euro.

Mitbewerber Pearle gibt weniger Einblick in die Bilanzen. Nur so viel: "Wir erzielen hohe Erträge in Relation zum Umsatz", sagt Pearle Österreich-Chef Klaus Dieter Bechter. Die Zahl der Filialen sei heuer um sieben auf 79 gestiegen, und weitere seien geplant. Pearle und Fielmann sehen sich beide als Profiteure der höheren Selbstbehalte bei Brillen.

Trübe Bilanz

Die Expansion täuscht dennoch nicht über die trübe Bilanz der österreichischen Optiker hinweg. Über das Ausmaß der Einbußen im Zuge der Gesundheitsreform teilen sich die Meinungen. Uwe Oeding, Österreich-Chef des Weltmarktführers bei Brillengläsern, Essilor, geht von einem Minus von rund 19 Prozent 2005 aus. "Heuer zieht der Markt um nur zwei bis drei Prozent an." Bis die Branche ihre ursprüngliche Größe erreiche, könnten bis zu vier Jahre vergehen. Essilor macht den markanten Rückgang in Österreich mit verstärkten Exporten nach Osteuropa wett. "Für kleine Optiker wird die Luft jedoch dünn", sagt Oeding.

Nachfolger fehlen

1993 waren fast 80 Prozent des Geschäfts in den Händen von Fachoptikern. Heute verkaufen die Diskonter laut Oeding bereits jede zweite Brille. Rabattschlachten stehen an der Tagesordnung. Schlechte Standorte und Nachfolgeprobeme tragen zusätzlich dazu bei, dass zahlreiche alteingesessene Betriebe aus dem Blickfeld der Kunden geraten.

Marktkenner sind sich sicher, dass der Vorstoß internationaler Diskonter auch Platzhirsch Hartlauer Geschäft kostet. Für Firmenchef Robert Hartlauer ist es "eine philosophische Frage, wer wem weh tut". Dass sich der Markt heuer nach dem Knick im Vorjahr nicht so rasch erhole, sei logisch. "Aber wir sind zufrieden." Hartlauer verkauft in 155 Shops jährlich mehr als 400.000 Brillen. Zum Vergleich: Fielmann kommt auf etwa 240.000 Stück.

Einkaufsgemeinschaft

Aber auch andere Familienbetriebe lassen sich nicht einschüchtern. 20 Lokalmatadore, darunter Pippig, Miller, Forster und Wutscher, wachsen unter dem Dach der Marketing- und Einkaufsgemeinschaft United Optics.

Wutscher etwa hat mit 17 Standorten das steirische Optikergeschäft fest in der Hand. "Wir haben heuer zwei neue Filialen eröffnet", sagt Unternehmenschef Fritz Wutscher. 2007 will er zumindest drei weitere starten. Seine 110 Mitarbeiter setzen heuer geschätzt 15 Mio. Euro um. Allein der geplante Schritt nach Wien sei ein hartes Unterfangen. "Die Mietablösen in guten Lagen sind weit entfernt von Gut und Böse." (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25./26.11.2006)

Österreichs Brillenmarkt ist rund 400 Mio. Euro schwer und muss Einbußen aus dem Vorjahr ausbügeln. Foto: Cremer