Braunschweig/Hamburg - Der jüngst inhaftierte frühere Betriebsratschef des VW-Konzerns, Klaus Volkert, soll nach Informationen des Hamburger Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" den Jahreswechsel hinter Gittern verbringen. Die Staatsanwaltschaft sei nach einer Aussage des ehemaligen VW-Managers Klaus-Joachim Gebauer in der vergangenen Woche davon überzeugt, dass Volkert und sein Anwalt Peter-Michael Diestel versucht haben, Gebauer zu einer Volkert entlastenden Aussage zu bewegen. Dies berichtet der "Spiegel". Ein Prozess gegen Volkert wegen der VW-Affäre um Korruption und Lustreisen auf Firmenkosten könnte im Frühjahr 2007 beginnen.

Der einstige Betriebsratschef müsse nun möglicherweise auch noch mit einer Anklage wegen Nötigung rechnen. Gegen ihn wird bereits wegen Anstiftung zur Untreue in mehreren Fällen ermittelt. Bis zum Prozess könnte Volkert erneut versuchen, die Ermittlungen zu behindern, fürchten die Staatsanwälte laut "Spiegel". Deshalb wollen sie ihn weiter in Haft behalten. Diestel und Volkert bestreiten die Aussagen Gebauers.

Gebauer, gegen den in der VW-Affäre ebenfalls ermittelt wird, wurde am Donnerstag von der Staatsanwaltschaft befragt. Dabei bekräftigte er seine Anschuldigungen gegen Volkert.

Sonderbonuszahlungen

Mitte November hatte die Staatsanwaltschaft wegen Untreue in 44 Fällen und unrechtmäßiger Begünstigung von Betriebsräten bereits Anklage gegen den früheren VW-Arbeitsdirektor Peter Hartz erhoben. Allein Volkert soll von 1994 bis 2005 von Hartz neben seinem Gehalt so genannte "Sonderbonuszahlungen" von insgesamt fast zwei Millionen Euro erhalten haben, ohne dass dies bei VW offen gelegt worden sei.

Indes berichtet das Nachrichtenmagazin "Focus", dass die Staatsanwälte Volkert bei der nächsten Vernehmung auch zur Rolle des langjährigen Vorstandschefs und heutige Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch in der VW-Affäre befragen wollen. Hintergrund soll eine Aussage Gebauers sein, derzufolge Volkert gedroht haben soll, er werde auf niemanden mehr Rücksicht nehmen, auch nicht auf Piëch. Auf Nachfrage der Staatsanwälte habe Gebauer ausdrücklich bestätigt, dass Volkert den Namen Piëch genannt habe. Piëch will von den Begünstigungen für die Betriebsräte nichts gewusst haben. (APA/dpa))