Berlin - UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat die Rückkehr der Flüchtlinge aus dem Kosovo in ihre Heimat als zentrales Ziel der Staatengemeinschaft im Kosovo-Konflikt bezeichnet. Annan sagte am Montag in seiner "Berliner Rede", die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft müßten daran gemessen werden, ob die Flüchtlinge und Binnenvertriebenen rasch und sicher in ihre Heimat zurückkehren können. Wenn die Bewohner des Kosovo in Frieden und Sicherheit und unter voller Achtung der bürgerlichen Rechte aller leben könnten, werde das ein Sieg für die gesamte Menschheit sein. Alles andere wäre ein Fehlschlag. Annan behandelte das Thema Kosovo in seiner Rede zum Thema "Europa im 21. Jahrhundert" nur am Rande und widmete sich ausführlich der künftigen Rolle der Europäischen Union und der Vereinten Nationen. Zur Erweiterung der EU sagte Annan, daß sich auch die Staaten nicht ausgeschlossen fühlen dürften, die auch in naher Zukunft nicht mit einer Vollmitgliedschaft in der EU rechnen dürften. Diese Staaten dürften sich nicht zurückgewiesen fühlen. Es hätte nicht erst der schrecklichen Ereignisse auf dem Balkan bedurft, um die Dringlichkeit kreativer Vorschläge für den Wiederaufbau in Südosteuropa zu dokumentieren. Vieles hätte vermieden werden können, wenn solche Ideen früher verfolgte worden wären. "Die führenden Politiker in ganz Europa sollten nicht länger zögern, ihre Vision von einem umfassenderen Europa, das sich auch über die Ostgrenzen der erweiterten Union hinaus erstreckt, zu bekräftigen", sagte Annan. Wenn man den Blick in Richtung Osteuropa und Balkan lenke, biete sich ein trauriges Bild", meinte er. In seiner "Berliner Rede" sagte Annan weiter, in vielen dieser Länder mache sich das Gefühl breit, ausgeschlossen zu sein. Dies führe dazu, daß die Motivation verloren gehe, die Wirtschaft, die Rechtsordnung und die Staatsführung zu reformieren. "Dieser Zustand ist höchst besorgniserregend", erklärte Annan. Annan hält die dritte "Berliner Rede", die seit 1997 jeweils am Vortag des Tages stattfindet, an dem 1920 der preußische Landtag die Gründung der noch heute bestehenden Einheitsgemeinde Groß-Berlin beschlossen hatte. (APA/Reuters/dpa)