Lissabon - Eine Mehrheit der PortugiesInnen spricht sich laut einer Umfrage für liberalere Abtreibungsgesetze aus. 61 Prozent gaben an, bei einem Referendum im kommenden Jahr für eine Lockerung stimmen zu wollen, wie eine am Dienstag veröffentlichte Befragung der Tageszeitung "Diario de Noticias" ergab. Nach dem Willen des Parlaments soll das Referendum Anfang kommenden Jahres abgehalten werden.

30 Prozent sprachen sich der Zeitung zufolge gegen die Abtreibung aus. Die restlichen neun Prozent seien noch unentschieden. Befragt wurden im Rahmen der repräsentativen Umfrage 808 Menschen.

Ausnahmeregelung

Portugal gehört zu den wenigen europäischen Ländern, in denen ein Schwangerschaftsabbruch bisher nur in Ausnahmefällen erlaubt ist: Wenn die Gesundheit der Mutter in Gefahr ist, das Kind schwere Behinderungen hat oder die Frau bei einer Vergewaltigung schwanger wurde. In anderen Fällen droht abtreibenden Frauen eine Haftstrafe. Das hält abtreibungswillige Frauen jedoch nicht ab. Experten schätzen, dass in Portugal pro Jahr 20.000 bis 40.000 Schwangere ihr Kind illegal abtreiben lassen.

Die sozialistische Mehrheit im Parlament will Abbrüche bis zur zehnten Woche legalisieren. Das portugiesische Verfassungsgericht gab dem Antrag bereits grünes Licht. Damit es zu einer Volksabstimmung kommt, muss jedoch noch der konservative Präsident Anibal Cavaco Silva zustimmen. Bereits 1998 hatte es in Portugal ein ähnliches Referendum gegeben, das jedoch knapp scheiterte. (APA/Reuters)