New York/Berlin - Der Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker, Lorin Maazel, hat den Berliner Generalmusikdirektor Daniel Barenboim als seinen Nachfolger vorgeschlagen. Barenboim lehnte im Norddeutschen Rundfunk (NDR) eine Nominierung jedoch umgehend ab. Wie ein Sprecher der Philharmoniker am Mittwoch in New York sagte, hatte Maazel den Vorschlag in einem persönlichen Brief an die Spitze des Hauses unterbreitet. Maazels Vetrag läuft im Juni 2009 aus.

Brief und Radio

Der Sprecher der New Yorker Philharmoniker, Eric Latzky, sagte, Maazel habe in dem Brief an den Vorsitzenden Paul Guenther deutlich gemacht, dass er Barenboim für einen Künstler halte, der dem New Yorker Orchester angemessen sei. Der derzeitige Chefdirigent habe jedoch keine formale Rolle bei der Bestimmung eines Nachfolgers.

Barenboim sagte unterdessen dem NDR, er wolle die Nachfolge nicht antreten. "Ich freue mich sehr über die Nominierung, und sie ehrt mich, aber nichts liegt mir momentan ferner, als eine feste Dirigentenposition in Amerika anzunehmen."

Die Verantwortung für die Nachfolgeentscheidung liegt nach Angaben von Latzky bei der Direktorenkonferenz der New Yorker Philharmoniker. Derzeit werde über das Thema diskutiert. Sehr wichtig sei dabei eine Zusammenarbeit mit den Musikern des Orchesters. Über Maazels Vorschlag ist seinen Angaben zufolge bisher nicht gesprochen worden. Vor Maazel hatte der Leipziger Kurt Masur von 1991 bis 2002 die New Yorker Philharmoniker als Chefdirigent geleitet.

Vielbeschäftigt

Barenboim ist nicht nur Berlin, sondern auch der Mailänder Scala verpflichtet, wo er künftig zwei Opern im Jahr dirigieren soll. Dies ist Teil einer Kooperation zwischen Staatsoper und Scala, deren Höhepunkt eine Inszenierung von Richard Wagners "Ring des Nibelungen" in beiden Städten sein wird. Der 64 Jahre alte Pianist hat für sein Engagement um eine Aussöhnung von Israel und Palästina bereits zahlreiche Preise bekommen. Er hat unter anderem das West-Eastern Divan Orchester mitbegründet, in dem junge Musiker aus Palästina und Israel gemeinsam musizieren und auf Tourneen gehen. (APA/dpa)