Foto: Naturhistorisches Museum
Ist die Natur eine Künstlerin? Angesichts der Gehäuse der Ammoniten kann man diese Frage nur bejahen: Rund 7000 Arten von Ammoniten kennt die Wissenschaft heute - und das, obwohl dieser Zweig der Kopffüßer vor 65 Millionen Jahren ausgestorben ist. Geblieben von einer der erfolgreichsten Tierfamilien, die jemals die Erde bevölkerten, sind ihre fossilen Schalen - und diese zeigen eine Formenvielfalt und gestalterische Harmonie, die seit jeher fasziniert. Am Sonntag, den 12. Dezember, ist den uralten Meeresbewohnern im Naturhistorischen Museum in Wien ein "Kulturfrühstück" gewidmet: Ab 9 Uhr früh informiert der Mesozoikum-Experte Alexander Lukeneder über die zum Teil sensationellen Exemplare der dortigen Ammonitensammlung.

Die marinen Weichtiere mit Tentakeln und "Schneckengehäusen" entstanden vor 400 Millionen Jahren. Vor 250 Millionen Jahren wurden die Ammoniten zu einer der wichtigsten Familien der Meeresfauna: In etlichen geologischen Perioden gelten ihre versteinerten Gehäuse als Leitfossilien. Viele Arten wurden nur wenige Zentimeter groß, einige erreichten aber Gehäusedurchmesser von zwei Metern und mehr.

Auf den ersten Blick ähneln Ammoniten dem Nautilus, dem einzigen heutigen Kopffüßer, der ein Gehäuse besitzt. Doch morphologische Untersuchungen - vereinzelt haben sich auch Versteinerungen von Weichteilen erhalten - zeigen, dass sie mit den Tintenfischen weit näher verwandt waren.

Häuser mit Kammern

Das flach aufgerollte "Schneckenhaus" der Ammoniten war in Kammern gegliedert, das Tier "wohnte" immer in der vordersten Kammer, durch die anderen zog sich ein Strang Körpergewebe. Durch diesen konnten die Gehäuse-Kammern mit Körperflüssigkeit und Gas gefüllt werden - so schuf sich der Ammonit Auftrieb im Wasser und konnte auch wieder absinken.

Ansonsten dürften sie sich per "Rückstoß" fortbewegt haben, wie heutige Tintenfische, und wie diese verfügten Ammoniten auch über einen Kranz aus Tentakeln um die Mundöffnung sowie über einen scharfen Papageienschnabel. Denn sie waren Aasfresser aber auch aktive Jäger und dienten selbst über Jahrmillionen Meeresreptilien wie Mosa- und Plesiosauriern als Nahrung.

Vor rund 65 Millionen Jahren, als die Dinosaurier und zahlreiche andere kreidezeitliche Lebewesen ausstarben, verschwanden auch die Ammoniten für immer - doch die abnehmende Fossilienhäufigkeit in den Gesteinsschichten zeigt, dass ihr Niedergang schon lange davor begann.

Ihre fossilen Gehäuse belegen über den unvorstellbaren Zeitraum von 350 Millionen Jahren ihre Bedeutung im Ökosystem. Und weil Ammoniten-Fossilien ebenso attraktiv wie häufig sind, werden sie sogar als Schmuckstücke angeboten - auch im Shop des Naturhistorischen Museums. (Andrea Dee/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2./3. 12. 2006)